20.08.2012 Dynamo zu Gast bei den Himmelblauen

Nach den grauen Rauchschwaden von Dortmund hat Dynamo Dresden Glück, am Montag bei den Himmelblauen in Chemnitz antreten zu dürfen. Zuletzt haben wir uns bei den Spielen gegen die Chemnitzer nicht mit Ruhm bekleckert. Im Sachsenpokal war für uns 2008 und 2010 jeweils im Halbfinale Endstation gegen den späteren Pokalgewinner Chemnitzer FC. Wir haben also etwas auszubügeln.

Die Chemnitzer, die gegenüber Dynamo fast schon in einer Regionalauswahl spielen, haben sich vor der Saison mit Sascha Pfeffer und Maik Kegel verstärkt. Sie kennen die Brisanz dieses Sachsenduells genau, hoffentlich wird diese Besonderheit auch unseren Spielern noch ausreichend erläutert!

Doch wie sieht die Statistik außerhalb der letzten dynamischen Pokalpleiten aus? Schauen wir in der Historie beider Vereine etwas weiter zurück.

Herauszufinden, wie viele Spiele es nun eigentlich zwischen dem Chemnitzer FC (oder seinem regulären Vorgängerverein, dem FC Karl-Marx-Stadt) und Dynamo Dresden gab, ist schwieriger als anfangs angenommen. Zum einen gab es auf beiden Seiten regelmäßig Namensänderungen, Vereinsauflösungen und Neugründungen oder Anschlüsse der Fußballabteilungen, zum anderen nahm es die Westsachsen selbst mit „Fußballvereinsverschiebungen“ in benachbarte Städte ernster als gedacht. Das 1. (im Buch „Ostdeutsche Traditionsvereine 1: Dynamo Dresden, Daten, Fakten, Bilder; Agon Sportverlag, Statistics 27; Uwe Krüger) Spiel der Schwarzgelben fand gegen Motor West Karl-Marx-Stadt 1955 in der DDR-Liga Staffel 3 statt und endete 3:3. Nach insgesamt 5 Spielen (1 Sieg, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen 10:13 Tore, der Sieg wurde den Dresdnern nachträglich übrigens aberkannt) verloren sich vorläufig die Spuren, da Motor West seine Mannschaft an den SC Motor Karl-Marx-Stadt abgeben musste und selbst in einer Liga unterhalb als deren Zweitvertretung weiterspielte. Bis 1963 gab es gegen den übernehmenden SC Motor  8 Spiele, von denen 3 gewonnen, 4 verloren und 1 remis endeten (13:11 Tore). Frisch zurück in der DDR-Oberliga 1962 ging es dort für Dynamo Dresden einmal gegen den inzwischen bekannten SC Motor Karl-Marx-Stadt als auch gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt. Diese Mannschaft war eigentlich in Aue (32km entfernt von Karl-Marx-Stadt) zu Hause, wurde aber von der DDR Sportpolitik zeitweise in die benachbarte größere Stadt versetzt. Nach Vereinsauflösung 1963 wechselten viele Spieler zum SC Karl-Marx-Stadt, wobei die Fußballsektion im selben Jahr an die BSG Wismut Aue angegliedert wurde.

Alles klar?! Beginnen wir lieber nach dem 15.01.1966, als der FC Karl-Marx-Stadt neu gegründet wurde (und bis zum 13.06.1990 seinen Namen behielt). Gleich das 1. Spiel gegeneinander in der höchsten Spielklasse der DDR, der Oberliga, konnte die SG Dynamo Dresden in Karl-Marx-Stadt mit 2:1 für sich entscheiden. Auch bis zum Ende der DDR-Oberliga waren die Westsachsen ein gern gesehener Gegner der Dynamos. 29 Siege, 11 Unentschieden und 7 Niederlagen mit traumhaften 104: 55 Toren sprechen für sich. Auch in Anschluss an die 5 Duelle im FDGB-Pokal waren jedesmal die Dresdner Dynamos in der Auslosung für die nächste Runde enthalten.

Ein besonderes Spiel fand sicherlich am 11..03.1972 in Karl-Marx-Stadt statt. Eingebettet in ein heimisches 6:1 gegen den Halleschen FC Chemie (04.03.1972) sowie ein 5:1 gegen  den FC Carl Zeiss Jena (18.03.1972) gewann der amtierende Meister, die SG Dynamo Dresden mit 5:1 beim Oberligaaufsteiger FC Karl-Marx-Stadt. Bei denen spielte damals unser späterer zweifacher Aufstiegstrainer Christoph Franke mit und erzielte das himmelblaue Ehrentor.

FC Karl-Marx-Stadt: Ralf Kunze – Dieter Erler, Eberhard Schuster, Frank Sorge – Christoph Franke, Hans-Heinrich Wolf, Joachim Müller, Frank Wiedensee (78. Karl Krasselt) – Karl-Heinz Zeidler, Hartmut Rauschenbach, Volkmar Neubert

SG Dynamo Dresden: Claus Boden – Hans-Jürgen Dörner – Joachim Kern, Eduard Geyer, Klaus Sammer – Frank Ganzerra, Reinhard Häfner, Reiner Sachse, Hans-Jürgen Kreische (63. Klaus Lichtenberger) – Dieter Riedel, Gert Heidler (86. Matthias Blaseck)

Torfolge: 0:1 Dieter Riedel (1. Minute), 1:1 Christoph Franke (15. Minute), 1:2 Reinhard Häfner (35. Minute), 1:3 Gert Heidler (48. Minute), 1:4 Klaus Lichtenberger (65. Minute), 1:5 Gert Heidler (69. Minute)

Zuschauer: 15 000

Am Saisonende war Dynamo Dresden Dritter und unser Gegner konnte noch knapp 2 Mannschaften hinter sich lassen und in der folgenden Saison zu Hause ein Remis erzielen. Ein Unentschieden würde am 20.08.2012 keiner Mannschaft weiterhelfen, ein 5:1 dürfen wir jedoch am Montag garantiert nicht erwarten. Wenn wir aber mal wieder, nach zuletzt zweimaligen Ausscheiden im Sachsenpokal, gegen die Chemnitzer weiterkommen würden, wäre ich zufrieden. Also, die Herren Däbritz, Koch und Kirsten, erzählen sie den anderen mal etwas über die schwarzgelbe Geschichte!

Statistik: DDR – Oberliga, 1962-1991, Uwe Nuttelmann (Hg.), Verlag Uwe Nuttelmann

http://de.wikipedia.org/wiki/Motor_West_Karl-Marx-Stadt

http://de.wikipedia.org/wiki/Chemnitzer_FC

http://de.wikipedia.org/wiki/SC_Wismut_Karl-Marx-Stadt

http://de.wikipedia.org/wiki/SC_Karl-Marx-Stadt

3 Gedanken zu „20.08.2012 Dynamo zu Gast bei den Himmelblauen

  1. spuckelch

    Wie immer schön und interessant zu lesen. Da ich mich auch gerade in der thematischen Vorbereitung für das Spiel befinde, glaube ich, einen Fehler entdeckt zu haben. Und zwar gab es 6 Duelle im FDGB Pokal. 1987/88 kam tatsächlich mal der FCK weiter. Im Viertelfinale 2:1 n.V.

    Antworten
    1. ballsalat Artikelautor

      Verflucht, da hast du recht! Na gut, aber immerhin bleibt uns der Sieg im letzten Aufeinandertreffen im FDGB-Pokal. Am 09.12.1989 haben wir zu Hause mit 4:0 triumphiert!
      Aber natürlich ist nun unsere Weste nicht mehr blütenweiß, wird trotzdem werden!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*