60 Jahre Dynamo, 3. Themenabend, 1983-98

Fußball ist bekanntermaßen das schönste Hobby der Welt. Egal, ob man aktiv spielt oder lieber zusieht, wie andere flitzen, ob man im Stadion steht, die Liveübertragung am Radio verfolgt, per Sky den Dreck auf der Grasnarbe erkennen kann oder wie in den 90ern der Präsident vom SC Freiburg, Achim Stocker, wegen Herzproblemen die Spiele höchstens über den Videotext verfolgt, der Fußball führt zusammen und bindet viel Zeit.

In manchen Momenten schwelgt man auch in historischen Erinnerungen, vor allem, wenn das tagesaktuelle Geschehen des eigenen Vereins doch recht trist ist. Die Themenabende zum bevorstehenden 60. Geburtstag bieten genügend Geschichten, in die bei jedem Termin hineingetaucht werden kann. Um so ärgerlicher ist es, wenn man dann nicht anwesend sein kann, da die Arbeit, die das Geld fürs Leben besorgt, ruft. Um so mehr habe ich mich gefreut, dass sich petschipetsch, der im Gegensatz zu mir vor Ort war, bereiterklärt hat, den Text für den 3. Abend zu übernehmen. Vielen Dank, petschi!

Wer noch einmal zurückkehren möchte in die Anfänge oder die goldenen 70er, dem seien noch einmal diese Links empfohlen:

http://www.ballsalat.de/60-jahre-dynamo-1-themenabend-1953-68/

http://www.ballsalat.de/60-jahre-dynamo-2-themenabend-1968-83/

Noch eine kleine Bitte: Für www.ostderby.de benötige ich ganz persönliche Definitionen des Wortes „Fan“. Was ist ein Fan, was keinesfalls? Ist nur der, der im Stadion steht, ein „echter“ Fan? Ich würde mich sehr über einige individuelle Rückmeldungen freuen, die über wikipedia und ähnliches hinausgehen. Anonymität wird natürlich zugesichert!

Doch jetzt übernimmt petschipetsch:

Was für ein Dynamofan bist du?

Genau unter diesem Motto stand der 3. Traditionsabend der SG Dynamo Dresden im schönen Ambiente der Dresdner Comödie. Wie schon gewohnt waren auch Uwe Karte und Gert Zimmermann wieder auf der Bühne um die Jahre 1983-98 der dynamischen Vereinsgeschichte den Gästen nahe zu bringen.

Gleich am Eingang begegnete ich der „Dynamo-Omi“, doch für ein Foto war keine Zeit, ein kurzes „Hallo“ musste reichen, denn mittlerweile ist auch diese junge Dame stadtbekannt. Zum gestrigen Abend war ich schon eine 45 Minuten eher. Als ich den Saal betrat, war dieser schon ordentlich gefüllt. Präsident Andreas Ritter gab noch letzte Instruktionen, wie denn die Couch auf der Bühne am besten stehen soll. Und während ich nun auf den Beginn der Veranstaltung wartete, konnte ich auch der Fachsimpelei einiger Gäste lauschen. Natürlich wurden hier die Trainerentscheidungen des letzten Spiels heiß diskutiert. Auch Eduard Geyer, der letztes Mal noch mit auf der Bühne saß, war mit von der Partie, diesmal als Ehrengast in der ersten Reihe.

Pünktlich 20:00 Uhr begann die Veranstaltung und Andreas Ritter schwelgte in Erinnerungen der alten Zeiten und wünschte sich natürlich auch von der jetzigen Mannschaft Durchhaltevermögen im Kampf um den Klassenerhalt wie bereits zu Bundesligazeiten. Anschließend stellten beide Moderatoren die heutigen Gäste vor. Ich kannte keinen der Leute, aber das war ich ja schon vom letzten Mal gewohnt 🙂

Die Gäste des Tages waren Torsten Gütschow, Hans-Uwe Pilz und Ralf Hauptmann. Doch der Hauptredner war, wie sollte es auch anders sein, Gert Zimmermann, der mit dem einen oder anderen Witz doch mal über die Strenge geschlagen hat. Auch diesmal gab es natürlich auch äußerst interessante, teils lustige, aber vor allem gut verständliche Beiträge und Kurzfilme aus den vergangenen Jahren. Los ging es gleich zu Beginn mit einem sensationellen Treffer von Thorsten Gütschow, der uns in die 1. Bundesliga brachte, ein Riesenerfolg für Dynamo Dresden. Diese Erfolgsmeldungen wurden anschließend von Gert Zimmermann mit der heutigen „Erfolgsaison“ verglichen, „9 Punkte in 13 Spielen“ hieß es den gesamten Abend immer wieder und wieder und der gesamte Saal lachte. Der gesamte? Nicht ganz, denn einige konnten nicht lachen und schimpften eher über die Herangehensweise, mit der aktuellen Situation umzugehen.

Es ging weiter mit Geschichten aus der 1. Bundesliga und den Pokalspielen dieser Zeit. Hans-Uwe Pilz war als nächstes dran mit dem Erzählen. Es gab eine schöne Einblendung eines Films über den neuen Trabant 600. Dieser wurde mit der Leistung von Herr Pilz verglichen. Großes Gelächter auch hier im ganzen Saal. Aus heutiger Sicht wäre dieser Vergleich wohl eher beschämend. Doch für mich als „Jung“ Ossi gab es auch viele interessante Fakten um die damalige Zeit. Nur wenn eine Wohnung gefunden wurde, durfte der Spieler auch im Verein mit antreten. Dies konnte schon mal eine Weile dauern. Hans-Uwe Pilz wartete ein halbes Jahr, bis ihm eine Wohnung zugewiesen wurde. In gemächlichem Tempo wurden die Jahre von Dynamo Dresden vor der Wiedervereinigung erzählt. Auch das nächste Video, welches den tollen 7:2-Heimsieg gegen HJK Helsinki im Europapokal zeigte, begleitete Klatschen und Jubel im Saal. Der „Lieblingsgegner“ BFC-Dynamo durfte hier natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

Gert Zimmermann schweifte dann etwas vom Thema ab und erzählte einige Minuten über seine damalige Laufbahn als Stadionsprecher. Interessant war ein ganz besonderes Erlebnis von Ihm. Bei einem Spiel sagte Gert Zimmermann eine Auswechslung in der 88. Minute mit dem Spruch an: „Wir haben die 91. Minute, den Platz verlässt …“ der Schiedsrichter schaute verwirrt auf seine Uhr und pfiff das Spiel ab. Einfach genial und wohl in der heutigen Zeit ein Skandal!

Auch die Geburtsstunde unserer heutigen Hymne (12. Mann) wurde eindrucksvoll mit Filmmaterial und witzigen Sprüchen beschrieben. Nach der Wende kam es dann natürlich zum ersten Duell zweier Deutsch-Deutscher-Mannschaften, Ost gegen West. Ehrengast bei diesem Spiel war Bundeskanzler Helmut Kohl. 3 Wochen vor Spielbeginn fiel dem Veranstalter aus dem Westen ein, mal langsam mit dem Kartenverkauf zu beginnen, damit möglichst viele verkauft werden können. Was keiner, der nicht Dynamo Dresden genauer kannte, ahnte.. nach nur wenigen Stunden waren alle Karten restlos ausverkauft. Das erstaunte die Westdeutschen und mich erinnerte es ein bisschen an die heutige immer noch sehr erfolgreiche Zeit.

Doch es gab nicht nur sonnige Zeiten für Dynamo. Der Spielabbruch nach Randale in der 78. Minute gegen Belgrad erschütterte die Vereinsgeschichte sehr. Leider ließen sich auch hierzu starke Vergleiche zur heutigen Zeit ziehen. Dynamo wurde damals international gesperrt und verabschiedete sich somit aus dem internationalen Geschäft.

Weiter ging es mit der erfolgreichen Qualifikation für die 1. Bundesliga im Mai 1991 zusammen mit Trainer Reinhard Häfner. Überraschenderweise wurde am Tag des Aufstieges der Trainer gewechselt und Helmut Schulte kam ans Zepter. Dieser trainierte zuvor den FC St. Pauli und musste schnell feststellen, welch großes Potential in den Dresdner Spielern steckte. Im Training erkannte er schnell, das Welten zwischen beiden Mannschaften lagen.

Das erste und zweite Bundesligator in der Vereinsgeschichte von Dynamo Dresden erzielte Thorsten Gütschow. Die Bundesligajahre wurden nicht lang besprochen, da hieß es auch schon Zwangsabstieg. Im Sommer 1995 befand sich der Verein plötzlich in der Regionalliga. Sensationelle 13000 Fans träumten schnell vom Wiederaufstieg und wurden am 2. Spieltag durch eine 1:3 Heimniederlage gegen Aue auf den Boden der Tatsachen geholt. Die 1. Bundesliga war in weite Ferne gerückt.

Abschließend gibt es zu sagen: Es war ein gelungener Abend mit viel schwarzen Humor um die aktuelle Vereinssituation. Doch einige wahre Worte wurden auch von den Stars von damals mitgegeben. Das Wichtigste aus deren Augen ist die Nachwuchsarbeit, die in Dresden seit der Wende sehr vernachlässigt wurde.

Ich freue mich auf den vierten und letzten Traditionsabend am 11.3.2013.

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