Kategorie-Archiv: Unvergessen

60 Fakten zum Wiegenfeste

1) 12.04.1953, ein lautes und kräftiges Schreien erklingt aus der Schauburg. Dresden freut sich, es ist:eine kleine und gesunde Sportgemeinschaft!

2) 05.07.1953, noch so klein und schon die Größte! Nach einem 3:2 n.V. im Entscheidungsspiel gegen die BSG Wismut Aue wird die SGD mit knapp 3 Monaten das 1.Mal Meister der DDR-Oberliga. Da man in diesem Alter noch keinen Pokal stemmen kann, gibt es Meisternadeln und Ehrenurkunden für alle! Herzlichen Glückwunsch!

3) 21.11.1954, etwas spät kommt das Fremdeln, dafür aber um so heftiger. Plötzlich sind alle nach Berlin weggegangen (worden) und die SGD fühlt sich so einsam wie noch nie! Berlin ist weit weg und neue Freunde zu finden, dauert!

4) 21.01.1955, das wird schon werden, auch, wenn noch viel Wasser die Elbe entlang fließen wird… Floskeln, nichts als Floskeln und Durchhalteparolen, als die kleine SGD, vor kurzem noch stolze Beste ganz oben, etwas tiefer neu durchstarten soll. Wo vor kurzem noch Aue bezwungen wurde, endet das 1. Spiel in der 1.Liga, wo man nun spielt, mit 0:0 gegen Fortschritt Hartha.

5) Das Kindergartenalter bleibt eine der trübseligsten Zeiten der kleinen SGD. Es geht immer weiter bergab. Oberligameister 1953 – Mannschaft nach Berlin delegiert 1954 – Neustart 1955 in der 1.Liga, am Ende werden aus drei Staffeln eine gemacht – 2.Liga, dort Abzug von 9 Punkten, weil bei der SGD jemand mitgespielt haben soll, mit dem die SGD nicht spielen sollte – letztendlich Bezirksliga 1957… oder ganz kurz, Meister der Oberliga mit knapp 3 Monaten, mit 4 Jahren dann Mannschaft in der vierthöchsten Liga der DDR!

6) 1957, ein Umzug steht an. Das Heinz-Steyer-Stadion wird verlassen und neue Heimatstätte wird das Rudolf-Harbig-Stadion. Wer hätte damals gedacht, dass sich die Kleine da so wohl fühlen würde???

7), die SGD wird ein Schulkind! Die Kleine ist, dünn und mager, aber so langsam scheint die frische Luft der neuen Wohnung ihre Wirkung zu entfalten. Sie spielt bereits wieder in der Nähe der Großen.

8) 19.08.1962, die Lunge pfeift, der Herzchen bubbert. Sie ist zurück und hat gleich mal 2:0 gegen den SC Lok Leipzig gewonnen

9) 05.05.1963, Kinder können so grausam sein. Gewinne im letzten Spiel das direkte Duell oder du bist wieder raus. Dieses blöde Spiel will die SGD nicht mitspielen, gewinnt nicht und … ist für ein Jahr wieder raus!

10) 20.09.1967, die Pubertät ist nicht einfach. Die gewachsene SGD spielt jetzt bei den ganz großen im Messepokal mit und scheitert nur knapp an den Glasgow Rangers. Wer da dabei ist, vergisst gern mal die Hausaufgaben. Für eine neue Runde: „Gewinne im letzten Spiel das direkte Duell oder du bist wieder raus“ wurde nur etwas geübt, nicht gewonnen und wieder war man raus. Statt Glasgow gab es im nächsten Jahr „heiße“ Duelle gegen Kali Werra Tiefenort oder Aktivist Böhlen!

11) 1968, Pubertät ist auch das zielsichere Ausprobieren neuer Modetrends. Denen folgt die SGD und trägt nun modisches Schwarz-Gelb statt altbackenem weinrot!

12) Sommer 1969, „Gekommen um zu bleiben“ wird zwar erst Jahrzehnte später zum Gassenhauer, aber die SGD ist mit 16 Jahren endgültig auf die große Bühne zurückgekehrt. Wer hätte das bei der Kindheit vermutet?

13) 03.09.1969, zur Feier dazu werden die legendären Giraffen eingeweiht. Die hübsche SGD kann sich nun von 4 Seiten erstrahlen!

14) 16.06.1971, jetzt aber! Nachdem mit 3 Monaten die Bedeutung einer Meisterschaft noch nicht ganz erfasst werden kann, kann man mit 18 Jahren die Welt einreißen oder …

15) 20.06.1971, …gleich 4 Tage nach dem letzten Oberligaspieltag zum Gewinn der Meisterschaft gleich noch den FDGB-Pokal hinzufügen!

16) 70er, sie war jung und schön und (man kann es kaum anders ausdrücken…) unersättlich DDR-Oberligameister: 1971, 1973, 1976, 1977, 1978, FDGB-Pokalsieger: 1971, 1977

17) 07.11.1973, wer hoch fliegt, kann tief fallen, wer knapp dran war, schmeckt um so mehr die Bitterkeit einer Niederlage. 3:4 in München, 3:3 in Dresden, zwei Wahnsinnsspiele und ein knappes Ausscheiden gegen die späteren Gewinner des Europapokals der Landesmeister, den FC Bayern München.

18) 15.10.1977, man soll Aufhören, wenn es am schönsten ist. Noch so ein Spruch, der mal überprüft werden sollte! Hans-Jürgen Kreische, der es immer gut mit der SGD meinte, der ihr mitentscheidend zu ihrem Glanz der Mittzwanziger verhalf, denkt, dass sie nun groß genug ist, um auf eigenen Beinen zu stehen. 131 Tore erreicht in der DDR-Oberliga kein anderer Spieler der SGD!

19) 1978, ein Jahr später verlässt auch ein anderer Förderer der SGD, Trainer Walter Fritzsch, die SGD und tritt nach 9 erfolgreichen Jahren als Trainer ab.

20) „Die fetten Jahre sind vorbei“, auch hier ist Dynamo der Vorreiter, diesmal für einen Filmtitel. Die nächsten 10 Jahre wird der Meistertitel nach Berlin geschickt. Meister der Herzen wird der BFC nie!

21) 23.01.1981 Peter Kotte, Matthias Müller und Gerd Weber. Leider muss man auch betrübliche Verluste im Leben einstecken!

22) 05.09.1981, 1:0, 2:0, 3:0, 4:0, 5:0, 6:0 und da begann erst die Pause! Am Ende hatte Dynamo seinen höchsten Heimsieg in der DDR-Oberliga eingespielt, bedauernswerter Gegner war Neuling Chemie Buna Schkopau.

23) 20.03.1985, nachdem Peter Pacult 2 Wochen eher in Dresden gesichtet wurde, leitet sein 1:0 im Rückspiel eine Niederlage ein, von der man noch Jahre später sprechen wird. Dynamo Dresden scheidet nach einem 3:0 im Hinspiel mit 0:5 bei Rapid Wien im Europapokal der Pokalsieger aus.

24) 19.03.1986, Jahre später sprechen über Rapid Wien? Es geht noch besser, wieder im Europapokal der Pokalsieger: Hinspiel 2:0 gg Bayer Uerdingen, Rückspiel-Halbzeitstand 3:1, Endergebnis 3:7. Begründungen wurden viele gegeben, erklärbar war es nie!

25)19.04.1989, und nochmal Europapokal, diesmal der UEFA-Cup. Dynamo Dresden scheidet wieder aus, aber erstmalig erst im Halbfinale mit 1:1 gegen de VfB Stuttgart. Kleine Info am Rande: Dies war meine dynamische Erweckung!

26)10.05.1989, es ist zwar erst der 23.Spieltag, aber bereits da steht nach 10 Jahren Serienmeister- Abonnement des BFC Dynamo als Meister der DDR-Oberliga fest. Nicht nur in Dresden wird gefeiert!

27) 26.05.1989, die Midlife-Crisis kommt eigentlich erst in den 40ern, aber die SGD denkt bereits mit 36 über einen Namenswechsel nach. Sie hat nicht geheiratet, aber 1.FC statt SGD klingt irgendwie frischer???

29) 1990, auf einmal hat die einst bescheiden lebende früher SGD heißende heiße Flamme Geld, viel Geld, mit dem sie irgendwie nicht umgehen kann. Für Geld verscherbelt sie das Tafelsilber (was ehrlicherweise auch weg wollte…), erhält manchmal etwas Geld, manchmal auch einen ausgedienten Mannschaftsbus und kurze Zeit später ist das Geld weg…

30) 20.03.1991, Tränen fließen, Wasserwerfer leisten ganze Arbeit und das 98. Europapokalspiel ist eher zuende als gewollt. Das Ende internationaler Auftritte für bisher immer!

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31) 25.05.1991, Dynamo verlässt das bekannte Terrain und schließt sich neuem an. Wird es ein flüchtiges Abenteuer oder was festes werden???

32) 1991/1992, das Abenteuer startet und Dynamo flickt Löcher an allen Ecken und Kanten. Das schwere Jahr wird überschattet von vielen finanziellen Löchern.

33) Zusätzlich holt so manchen die Vergangenheit ein. Wer behält den Überblick, wer wann über wen mit wem gesprochen hat?

34) 09.05.1992, der Vertrag mit dem ungewissen Abenteuer wird für vorerst ein Jahr verlängert. Während Rostock geht, bleibt Dynamo Dresden das Aushängeschild im Haifischbecken 1.Bundesliga.

35) 13.11.1992, Torsten Gütschow macht sein vorerst letztes Spiel für Dynamo, als er gg Karlsruhe 7 Minuten vor Ende eingewechselt wird. Seine 12 Bundesligatore sind bis heute dynamischer Rekord! Kleine Info am Rande: Das jährliche Erwähnen von 10 statt 12 Toren erweckt einen Zahlenfaible bei mir!

36) 21.01.1993, ein gewisser Rolf-Jürgen Otto wird der Sonnenkönig von Dresden.

37) 06.05.1993, die Liason mit dem Abenteuer scheint sich dem Ende zu nähern, der DFB sagt zu Dynamo: „Du darfst nicht mehr mitmachen!“ Na ja, so blöd, wie es klingt, sie ist auch keine 20 mehr (sondern inzwischen ziemlich genau 40!)!

38) 12.05.1993, na gut, dann macht halt mit, aber ihr bezahlt, obwohl ihr ja pleite seid, noch einmal viel Geld und außerdem mit -4 Punkten! Der DFB hat gesprochen und Dynamo antwortet:“-4, na und?“

39) 07.08.1993, erstes und vorletztes Sachsenderby in der 1.Bundesliga. Endstand 3:3 in Leipzig

40) 01.12.1993, Elfmeterschießen im DFB-Pokal-Viertelfinale, „…und Tschertschessow hält! Der Russe bleibt stehen, wie Lenin auf dem Roten Platz!…“ Gert Zimmermann fasst das Spiel zusammen, welches mit 5:4 im Elfmeterschießen gegen Bayer Leverkusen gewonnen werden kann.

41) 09.04.1994, na wer erinnert sich nicht an Marek Penksa, wie er sich während des Spiels mit dem Pops auf den Ball setzt?

42) 07.05.1994, die beste Saison endet. Trotz -4 Punkten hat Dynamo in 34 Saisonspielen genau so viele Punkte geholt wie 1991/92 in 38!

43) 17.06.1995, Trübsal war in Dresden angekommen, 42 Jahre und nach einer trostlosen Saison abgestiegen. War die beste Zeit so langsam vorbei?

44) Ende der 90er, die früheren „Freunde“ erinnern sich. Dynamo ist wieder öfter zu Gast in Aue, Erfurt, Leipzig und Berlin, aber auch in Velten, Spandau und Charlottenburg. Hat man was verpasst, wenn man zu den letzteren eigentlich gar nicht möchte???

45) 18.09.1998 Torwart Thomas Köhler trifft zum 2:2 gegen Stahl Eisenhüttenstadt! Der einzige Lichtblick in einer besonders trostlosen von mehreren trostlosen Saisons.

46) 29.03.1999, Rolf Schafstall macht sich Freunde in Dresden. „…Kein Anstand. Lauter Ossis! Dreck, wo Du hinguckst….“ Wer mehr lesen möchte, mache sich bitte selbst kundig!

47) Sommer 2000, und plötzlich werden Erinnerungen an 1957 wach. Dynamo ist viertklassig und nicht mehr die Nummer 1 in Dresden! Wo damals der SC Einheit Dresden höherklassig spielte, schien diesmal der Dresdner SC den Dynamos den Rang ablaufen zu können!

48) Frühjahr 2001, Fusionsgedanken mit dem Dresdner SC werden laut geäußert, es bleibt beim Gedanken. Im Gegensatz zum Jahr 1957 gelingt es Dynamo nicht, sich nach einem Jahr aus der Viertklassigkeit zu befreien.

49) Sommer 2002, 19 Spieler (davon 4 Spieler mit 5 Spielen oder weniger!) und ein neues Trainerschlitzohr reichen, um Dynamo aus der völligen Bedeutungslosigkeit zu holen. „Regionalliga Nord, Dynamo ist dabei“ klingt jedoch noch etwas sperrig!

50) 05.06.2004, jetzt klingt es besser: „2.Liga, Dresden ist dabei!“ und so ist es, trotz der 0:1 Niederlage am letzten Spieltag gegen Uerdingen!

51) 21.11.2005, „Dresden ist anders“. Wissen wir, in die Annalen geht es trotzdem ein, weil die Aussage Volkmar Kösters es so deutlich die Hilflosigkeit des Vereines spiegelte, der es nicht über das Herz brachte, seine eigenen Vorgaben umzusetzen, als Trainer Christoph Franke nicht die erforderlichen 3 Punkte gegen Karlsruhe und Unterhaching holte. Gefeuert wurde Franke wenige Wochen später dennoch!

52) 14.05.2006, Fanliebe ist, dran zu bleiben, auch wenn man scheitert. Mit 41 Punkten ist lange Zeit vorher (überhaupt jemals???) und niemals später nie wieder eine Mannschaft aus der 2.Bundesliga abgestiegen. Aber wie sagte Volkmar Köster einige Monate zuvor: „Dresden ist anders!“

53) 01.07.2007, Midlife-Crisis II, wer will schon 1.FC genannt werden?! Die SGD ist zurück, nicht mehr so jung, aber schöner als je zuvor!

54) Sommer 2008, ist das Erreichen der 3.Liga ein Aufstieg oder eher das Halten der Klassenzugehörigkeit??? Diese Frage konnte leider nicht intern geklärt werden und ist ein Beispiel dafür, wie oft bei Dynamo nachhaltig Porzellan zwischen den Gremien zerschlagen wurde!

55) 29.04.2011, nach einem dramatischen Schlussspurt erreicht die SGD 3 Runden vor Saisonende den Relegationsplatz und gibt ihn nicht mehr ab!

56) 24.05.2011, am Ende rissen sie sich die Trikots vom Leib und feierten bis in die Früh! Dynamo ist zurück in der 2.Bundesliga!

57) 30.07.2011, Schnetzler, 117. Minute besiegelt Leverkusens Trauma, zum 2.Mal gegen Dynamo im DFB-Pokal gescheitert zu sein!

58) 25.10.2011, manchmal liegen zwischen einem Titel in der DDR-Oberliga und der Teilnahme in der Bezirksliga 4 Jahre, manchmal zwischen Hochs und Tiefschlägen knappe 3 Monate!

59) 06.04.2013, das „kleine“ Leverkusen gegen den FC St. Pauli…

60) 12.04.2013, die ehemals kleine SGD schließt ihr Fotoalbum, steht auf, tritt zum Spiegel, schaut nach rechts, dreht sich nach links und steht glücklich in ihrem Jubiläumstrikot. Das ist mein Leben, manchmal ging es drunter und drüber, manchmal war es schön, manchmal ernüchternd, aber nie ist es langweilig!  Ich habe so viel erlebt, aber bereits auch wieder viel zu viel vergessen! Wer möchte, kann ja Fakt 28 ergänzen. Wer könnte da alles reingehören? Hans-Jürgen Dörner, der Brustsponsor, Ulf Kirsten, Sorad, Michael Kölmel, Matthias oder Klaus Sammer, oder, oder, oder????

Auf die nächsten spannenden Jahre!

Herzlichen Glückwunsch!

 

Quellen:

Uwe Krüger; Ostdeutsche Traditionsvereine 1: Dynamo Dresden, Daten, Fankten, Bilder, 1997

Uwe Karte, Gert Zimmermann, Dynamo Dresden – Das Buch zum Verein, 1953-1993, 1993

Uwe Karte, Dynamo Dresden, 1993-2004, 2004

Jens Genschmar, Mit Dynamo durch Europa, Die Europapokalspiele der SG Dynamo Dresden 1967-1991, 2011

Jens Genschmar, Dresden – Wiege des Fußballs, 2012

Klassentreffen

Wenn man nach vielen Jahren für einen Abend zusammenkommt, ist immer etwas Aufregung im Spiel. Was ist aus den anderen geworden? Ist der Pausenclown von damals derselbe geblieben? Was machen eigentlich X und Y heute?

So oder wenigstens ähnlich wird es heute in Kesselsdorf gewesen sein, als unser Testspielgegner, der Heidenauer SV, gleich mit 5 ehemaligen Dynamospielern in der Startelf begann. So manche Erinnerungen wurden da garantiert ausgetauscht. Der Platz von Axel Keller, den Benjamin Kirsten übernahm oder die 10 vorzeitigen Auswechslungen von Christian Fröhlich, mit denen Peter Pacult ihn damals zu Höchstleistungen ermuntern wollte.

So möchte auch ich heute kurz zurückblicken. Da waren auf Seiten des Heidenauer SV einmal Axel Keller, der zwischen 2008-11 in 96 Spielen im Tor stand und damit so viele Spiele wie kein anderer für Dynamo Dresden in Liga 3 absolvierte. Ebenfalls ein Name, an den sich die allermeisten Fans noch erinnern werden, ist Christian Fröhlich. Nach dem Bundesligazwangsabstieg begann er als 17-jähriger 1995/96 in der Regionalliga Nord/Ost seine Karriere. Nach 25 Spielen und 1 Tor wechselte er zum TSV 1860 München. Als gestandener Spieler kehrte er 2003 in die Regionalliga Nord zu Dynamo zurück und war ein wesentlicher Bestandteil beim Zweitligaaufstieg. Bis 2006 lief er in insgesamt in 110 Ligaspielen für Dynamo Dresden auf, in denen er 20 Tore erzielen konnte. Svilen Stoilov dagegen ist wohl eher den eingefleischten Fans ein Begriff. 7 Spiele in der ersten Zweitligasaison 2004/05, der Durchbruch blieb ihm in Dresden verwehrt. Mirko Soltau war ebenfalls eher ein Kurzarbeiter im schwarzgelben Trikot. In der Saison 2009/10 brachte er es auf 9 Einsätze. Eher in Erinnerung blieb sein Ausfall durch eine Schnittverletzung, die er sich beim Eindrehen einer Glühbirne zugezogen hatte. Pavel Dobry hingegen ist wohl allen ein Begriff. 2007 für die Regionalliga Nord verpflichtet, half er mit 9 Toren aus 28 Spielen mit, die 3. Liga zu erreichen. Auch da war er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft und mit insgesamt 94 Spielen und dabei 23 Toren blieb er in prägender Erinnerung! In der 2. Hälfte wurde schließlich noch Frank Kaiser eingewechselt, der zwischen 1996-2000 in den schwierigen Jahren in der Regionalliga Nord/Ost in 81 Spielen zum Einsatz kam und dabei 5 Tore schoss.

Nimmt man dann noch Rocco Bischoff und Mario Scholze (ehemalige Jugendspieler Dynamo Dresden) sowie Arne Reetz und Sebastian Kieback (früher II.Mannschaft Dynamo Dresden) oder auch Alexander Eißrich, (III.Mannschaft Dynamo, ja, auch die gab es mal) hinzu oder die Spieler, die vorher für Borea oder Dresden Laubegast gespielt haben, dann könnt ihr euch sicher vorstellen, wie sehr sich der eine oder die andere gefreut hat, all die Namen mal wieder im Liveticker zu vernehmen, wenn ein persönlicher Besuch des Spiels mal wieder nicht möglich war!

Das Ergebnis von 4:0 spielte sicher nicht die Hauptrolle, sollte aber die aktuellen Spieler ermuntern, auch am Freitagabend in Kaiserslautern den Weg zum gegnerischen Strafraum einzuschlagen. 3 der 4 Tore erzielten unsere Stürmer, es geht doch!

60 Jahre Dynamo, 2. Themenabend, 1968-83

Große Ereignisse werfen ihren langen Schatten. Wenn Dynamo Dresden im kommenden Jahr sein 60jähriges Bestehen feiert, werden dem 4 Themenabende zur Geschichte vorausgegangen sein.

Nach dem Start der Serie im April ( http://www.ballsalat.de/60-jahre-dynamo-1-themenabend-1953-68/ ) hatten erneut Uwe Karte und Gert Zimmermann geladen und mit Klaus Sammer, Hans-Jürgen Dörner sowie Eduard Geyer 3 prominente Zeitzeugen zu Gast. Auch die ersten beiden Reihen waren unter anderem mit Frank Ganzerra oder auch Gerhard Prautzsch und Siegmar Wätzlich scharzgelb besetzt.

Die Comödie Dresden hatte guten Zuspruch aus allen Altersgruppen, im Gegensatz zum 1. Abend war diesmal sogar der Oberrang geöffnet worden. Mutmaßlich wird am 12.11.2012, wenn es um die Jahre 1983-98 geht, das Haus erstmals ausverkauft sein! Das der Zuspruch zum Verein schon immer groß war, dürfte bekannt sein, dass die Fans jedoch damals mindestens genau so „bekloppt“ (positiv gemeint) waren wie heute und sich bereits ab 8:45 vor den Stadiontoren einfanden, wenn das Spiel um 15:00 begann, konnte ich gestern für mich mitnehmen.

Bereits vor Beginn der Veranstaltung liefen alte Videos der zu besprechenden Zeit. In denen wurde klar, dass vielleicht der „Mount Magath“ die höchste Erhebung im Wolfsburger Umland ist, der „Medizinballweitwurf“ jedoch seine ursprüngliche Heimat in Dresden besaß.

Einen großen Teil des Abends nahm Walter Fritzsch ein. Es war spannend zu sehen, wie kritisch der erfolgreichste der vielen Dynamotrainer gesehen wurde. Gleich zu Beginn der Trainertätigkeit eilte ihm sein gestrenger Ruf voraus, ein Teil der älteren Spieler verweigerte ihm die Gefolgschaft und wurden daraufhin aussortiert. Insgesamt rieben sich viele Spieler mit dem unbequemen Trainer. Klaus Sammer fand ab dem Herbst 1973 kaum noch Beachtung, Eduard Geyer spielte laut eigener Aussage ein halbes Jahr in der 2. Mannschaft, Hans-Jürgen Kreische beendete mit 29 seine Karriere. Doch trotz aller Kritik war auch immer der gewaltige Respekt vor dem Trainer, der in den 9 Jahren seiner Tätigkeit 5 Meistertitel und 2 FDGB-Pokalsiege feierte, herauszuhören. Das Zitat des Abends dazu kam von Klaus Sammer, der meinte:

„Er (Walter Fritzsch) war der einzigste Trainer, der Spiele auswerten konnte, ohne sie gesehen zu haben!“

Ein anderer Teil des Abends bestand aus dem Duell im Europapokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München. Wenn einzelne Besucher sogar wissen, in welcher Minute des Rückspieles Gerd Müller mit seinem 3:3 die Dresdner Träume zunichte machte, dann kann man erahnen, welche Dramatik die beiden Spiele 1973 besessen haben müssen. Im Anschluss an die Spiele gab es wohl mehrere Dokumentationen im ZDF über die Dresdner Mannschaft. Neben Gert Heidler und Reinhard Häfner wurde auch Hans-Jürgen Dörner befragt, ob er sich vorstellen könne, woanders dem runden Leder nachzujagen. Sein Schwur damaliger auf Dynamo klang erwartbar und zuvor geprobt. Gestern fügte er noch hinzu, dass man ja nie gewusst hätte, was aus der Frau und den Kindern geworden wäre, wenn man gegangen wäre. Ob ein anderer Verein jedoch prinzipiell für ihn eine Überlegung wert gewesen wäre, diese Frage blieb leider ungestellt!

Einen besonderen Leckerbissen wird es im April 2013 geben. Zum 60. Geburtstag kommt „Das Dynamo-Buch, Dynamo 1953-2013“ von Uwe Karte und Gert Zimmermann heraus. Wer eins haben möchte, sollte sich beeilen, es wird nur 1953 Exemplare geben.

Falsch, meins ist bestellt, es sind noch höchstens 1952.

http://www.dynamo-buch.de/

20.08.2012 Dynamo zu Gast bei den Himmelblauen

Nach den grauen Rauchschwaden von Dortmund hat Dynamo Dresden Glück, am Montag bei den Himmelblauen in Chemnitz antreten zu dürfen. Zuletzt haben wir uns bei den Spielen gegen die Chemnitzer nicht mit Ruhm bekleckert. Im Sachsenpokal war für uns 2008 und 2010 jeweils im Halbfinale Endstation gegen den späteren Pokalgewinner Chemnitzer FC. Wir haben also etwas auszubügeln.

Die Chemnitzer, die gegenüber Dynamo fast schon in einer Regionalauswahl spielen, haben sich vor der Saison mit Sascha Pfeffer und Maik Kegel verstärkt. Sie kennen die Brisanz dieses Sachsenduells genau, hoffentlich wird diese Besonderheit auch unseren Spielern noch ausreichend erläutert!

Doch wie sieht die Statistik außerhalb der letzten dynamischen Pokalpleiten aus? Schauen wir in der Historie beider Vereine etwas weiter zurück.

Herauszufinden, wie viele Spiele es nun eigentlich zwischen dem Chemnitzer FC (oder seinem regulären Vorgängerverein, dem FC Karl-Marx-Stadt) und Dynamo Dresden gab, ist schwieriger als anfangs angenommen. Zum einen gab es auf beiden Seiten regelmäßig Namensänderungen, Vereinsauflösungen und Neugründungen oder Anschlüsse der Fußballabteilungen, zum anderen nahm es die Westsachsen selbst mit „Fußballvereinsverschiebungen“ in benachbarte Städte ernster als gedacht. Das 1. (im Buch „Ostdeutsche Traditionsvereine 1: Dynamo Dresden, Daten, Fakten, Bilder; Agon Sportverlag, Statistics 27; Uwe Krüger) Spiel der Schwarzgelben fand gegen Motor West Karl-Marx-Stadt 1955 in der DDR-Liga Staffel 3 statt und endete 3:3. Nach insgesamt 5 Spielen (1 Sieg, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen 10:13 Tore, der Sieg wurde den Dresdnern nachträglich übrigens aberkannt) verloren sich vorläufig die Spuren, da Motor West seine Mannschaft an den SC Motor Karl-Marx-Stadt abgeben musste und selbst in einer Liga unterhalb als deren Zweitvertretung weiterspielte. Bis 1963 gab es gegen den übernehmenden SC Motor  8 Spiele, von denen 3 gewonnen, 4 verloren und 1 remis endeten (13:11 Tore). Frisch zurück in der DDR-Oberliga 1962 ging es dort für Dynamo Dresden einmal gegen den inzwischen bekannten SC Motor Karl-Marx-Stadt als auch gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt. Diese Mannschaft war eigentlich in Aue (32km entfernt von Karl-Marx-Stadt) zu Hause, wurde aber von der DDR Sportpolitik zeitweise in die benachbarte größere Stadt versetzt. Nach Vereinsauflösung 1963 wechselten viele Spieler zum SC Karl-Marx-Stadt, wobei die Fußballsektion im selben Jahr an die BSG Wismut Aue angegliedert wurde.

Alles klar?! Beginnen wir lieber nach dem 15.01.1966, als der FC Karl-Marx-Stadt neu gegründet wurde (und bis zum 13.06.1990 seinen Namen behielt). Gleich das 1. Spiel gegeneinander in der höchsten Spielklasse der DDR, der Oberliga, konnte die SG Dynamo Dresden in Karl-Marx-Stadt mit 2:1 für sich entscheiden. Auch bis zum Ende der DDR-Oberliga waren die Westsachsen ein gern gesehener Gegner der Dynamos. 29 Siege, 11 Unentschieden und 7 Niederlagen mit traumhaften 104: 55 Toren sprechen für sich. Auch in Anschluss an die 5 Duelle im FDGB-Pokal waren jedesmal die Dresdner Dynamos in der Auslosung für die nächste Runde enthalten.

Ein besonderes Spiel fand sicherlich am 11..03.1972 in Karl-Marx-Stadt statt. Eingebettet in ein heimisches 6:1 gegen den Halleschen FC Chemie (04.03.1972) sowie ein 5:1 gegen  den FC Carl Zeiss Jena (18.03.1972) gewann der amtierende Meister, die SG Dynamo Dresden mit 5:1 beim Oberligaaufsteiger FC Karl-Marx-Stadt. Bei denen spielte damals unser späterer zweifacher Aufstiegstrainer Christoph Franke mit und erzielte das himmelblaue Ehrentor.

FC Karl-Marx-Stadt: Ralf Kunze – Dieter Erler, Eberhard Schuster, Frank Sorge – Christoph Franke, Hans-Heinrich Wolf, Joachim Müller, Frank Wiedensee (78. Karl Krasselt) – Karl-Heinz Zeidler, Hartmut Rauschenbach, Volkmar Neubert

SG Dynamo Dresden: Claus Boden – Hans-Jürgen Dörner – Joachim Kern, Eduard Geyer, Klaus Sammer – Frank Ganzerra, Reinhard Häfner, Reiner Sachse, Hans-Jürgen Kreische (63. Klaus Lichtenberger) – Dieter Riedel, Gert Heidler (86. Matthias Blaseck)

Torfolge: 0:1 Dieter Riedel (1. Minute), 1:1 Christoph Franke (15. Minute), 1:2 Reinhard Häfner (35. Minute), 1:3 Gert Heidler (48. Minute), 1:4 Klaus Lichtenberger (65. Minute), 1:5 Gert Heidler (69. Minute)

Zuschauer: 15 000

Am Saisonende war Dynamo Dresden Dritter und unser Gegner konnte noch knapp 2 Mannschaften hinter sich lassen und in der folgenden Saison zu Hause ein Remis erzielen. Ein Unentschieden würde am 20.08.2012 keiner Mannschaft weiterhelfen, ein 5:1 dürfen wir jedoch am Montag garantiert nicht erwarten. Wenn wir aber mal wieder, nach zuletzt zweimaligen Ausscheiden im Sachsenpokal, gegen die Chemnitzer weiterkommen würden, wäre ich zufrieden. Also, die Herren Däbritz, Koch und Kirsten, erzählen sie den anderen mal etwas über die schwarzgelbe Geschichte!

Statistik: DDR – Oberliga, 1962-1991, Uwe Nuttelmann (Hg.), Verlag Uwe Nuttelmann

http://de.wikipedia.org/wiki/Motor_West_Karl-Marx-Stadt

http://de.wikipedia.org/wiki/Chemnitzer_FC

http://de.wikipedia.org/wiki/SC_Wismut_Karl-Marx-Stadt

http://de.wikipedia.org/wiki/SC_Karl-Marx-Stadt

Benefiz-Fußballturnier in Dresden

Normalerweise habe ich mich inzwischen ja aufs Beobachten des runden Balles spezialisiert. Nach vielen versuchsreichen Jahren habe ich aufgegeben, dass der Ball mein Freund sein könnte, wenn ich ihn trete. Die anfangs mitleidigen, später auch genervten Blicke, wenn ich von der Strafraumgrenze auf dem Kleinfeld die Eckfahne traf, benötigte ich irgendwann nicht mehr wirklich. Dennoch gibt es einen Moment im Jahr, wo ich gerne mitspiele und meist auch nicht der Einzige bin, dem es gelingt, aus aussichtsreichen Positionen das leer Tor nicht zu treffen: das tecis-Benefizfußballturnier, welches am 07.07.2012 in der 4. Auflage stattfand. 5 Euro gibt es für jedes erzielte Tor zugunsten des Ambulanten Kinderhospizdienstes Dresden (http://www.dresden.deutscher-kinderhospizverein.de/) und meist gibt es für eine stattliche und runde Summe noch ein paar Euro obendrauf.

Die letzten Jahre standen immer mal wieder einige aktuelle und ehemalige Dynamospieler mit auf dem Feld. Es war schon genial, in den ersten beiden Jahren Volker Oppitz zuzuschauen, von Maik Wagefeld mit Ansage von den Beinen geholt zu werden (was dann erst im 2. Versuch klappte, der fällige Elfmeter ging mit viel Glück sogar rein!), so völlig ohne jede Technik Ralf Minge derart zu verblüffen, dass er sich letztendlich (vielleicht sogar ungewollt?) tunneln ließ, von Steffen Heidrich ohne jede Chance auf den Ball herumgehetzt zu werden oder vor Thomas Rath stramm zu stehen. (Ein Bild dazu gibt es unter http://benefiz-dresden.de/)

Inzwischen hat sich das Turnier für die gute Sache herumgesprochen und wird  auch ohne das Beisein von schwarzgelben „Könnern“ von Jahr zu Jahr größer. Für die meisten Teilnehmer steht der Spaß mit vielen Toren im Vordergrund. Nach einem 3:0 wird man dann manchmal auch durchgelassen, bis der Torwart immer größer und das Tor definitiv zu klein wird.

Aber egal, für den Sieg hat es auch in diesem Jahr erwartungsgemäß wieder nicht gereicht. Aufgrund der schwierigen Berechnungen, wie die erspielte Punktzahl bei 2 Gruppen mit insgesamt 13 Vereinen für die Platzierungen ab Platz 5 ins Verhältnis gesetzt werden kann, gibt es am heutigen Abend nicht nicht einmal die Sicherheit, ob es wirklich für einen einstelligen Platz gereicht haben könnte! Mit dem guten Gefühl, mal wieder herumgebolzt zu haben und des Morgen garantiert einsetzenden Muskelkaters lässt sich auch das verschmerzen!

Dynamos höchster Heimsieg in der DDR-Oberliga

Nicht jeder der 19 000 Zuschauer wird am Samstag, den 05.09.1981 den Überblick über die Dresdner Torschützen behalten haben, als dieses ungleiche Duell zwischen der SG Dynamo Dresden und Chemie Buna Schkopau abgepfiffen wurde.

 Bild Chemical plant „Buna-Werke“ in the evening light (DOW) mit freundlicher Genehmigung von © gynti_46 www.flickr.com

Es trafen der fünfmalige Meister und ein absoluter Neuling in seinem ersten Jahr in der höchsten Spielklasse der DDR aufeinander. David gegen Goliath, ohne glückliches Ende für den Underdog. Glücklich gingen nur die Fans der Schwarzgelben an diesem Nachmittag nach Hause. Dabei waren die Ausgangsbedingungen für den kleinen Verein gar nicht so schlecht. Die SG Dynamo Dresden befand sich nach dem Eklat um Matthias Müller, Gerd Weber und Peter Kotte in einer Findungsphase. Neue Spieler mussten möglichst schnell integriert werden, konnten aber natürlich die drei Dresdner Nationalspieler nicht ersetzen. So spielte beispielsweise Klaus Mahlzahn an diesem Nachmittag zum allerersten Mal für die Dynamos. Insgesamt spielte er nur 3x in der 1. Mannschaft, wenn in einer Spielervita jedoch genau dieses Spiel enthalten ist, so kann sich das durchaus sehen lassen.

Während Schkopau mit einer Niederlage gegen die BSG Wismut Aue und einem Sieg gegen die BSG Energie Cottbus achtbar gestartet war, hatten die Dresdner am Wochenende zuvor eine 0:4 Klatsche gegen den FC Rot-Weiß Erfurt erhalten, und das ausgerechnet im 444. Spiel in der DDR-Oberliga. Zur Saisoneröffnung hatte sich Dynamo gegen Vorwärts Frankfurt/Oder zu einem vom Ergebnis her knappen 1:0 durchgewurschtelt. Wahrscheinlich war genau das der Genickschuss für die Spieler von Chemie Buna Schkopau. Dynamo wollte und musste seine Fans als aktueller Tabellenneunter versöhnen.

Der Neuling spielte mit einer extrem unerfahrenen Mannschaft. Die meisten Spieler hatten in den Jahren zuvor zweit- oder gar drittklassig gespielt. Kapitän der Schkopauer war Roland Nowotny, ein alter Recken vom Halleschen FC Chemie, der seine Oberligakarriere nach 197 Oberligaspielen und 35 Toren eigentlich bereits im Sommer 1978 beendet hatte und nun mit 33 Jahren plötzlich wieder mittendrin war.

Die Fans im Rudolf-Harbig-Stadion hatten kaum ihre Plätze eingenommen, als Hartmut Schade nach 2 Minuten mit seinem 30. Oberligator das Erste des Tages schoss.

Bild „namo“ mit freundlicher Genehmigung von © Felix Hedel (tout droit) www.flickr.com
Nach nicht einmal 10 Minuten hatte Ralf Minge nachgelegt, der Abwehrspieler Christian Helm sorgte schließlich dafür, dass den Schkopauern spätestens nach einer Viertelstunde bewusst wurde, was für eine Lehrstunde es an diesem Nachmittag würde geben können.

Roland Nowotny, dem am 05.09.1981 in seinem 200. Oberligaspiel garantiert nicht zum Feiern zumute war, erinnerte sich in einem Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung:

„Beim 1:10 gegen Dynamo Dresden rannte mich Reinhard Radsch um und sagte: „Entschuldige bitte, der Trainer (Olaf Keller) hat gesagt, ich muss dem Trautmann (Spieler von Dynamo) folgen““, denkt Roland Nowotny zurück und verfällt in ein herzhaftes Lachen. „Aber genau wegen solcher Momente war es meine schönste Zeit als Fußballer.“ 

Zufrieden verabschiedeten die Fans der Dresdner Dynamos ihre Mannschaft in die Halbzeitpause. 6 erzielte Tore weckten Erinnerungen an die bisher höchsten Dresdner Heimsiege in der DDR-Oberliga. Mit jeweils 7:0 gegen Aktivist Brieske-Senftenberg (10.03.1963) und gegen die BSG Energie Cottbus (23.03.1974) gab es in früheren Jahren bereits hohe Schlappen für die Gäste. Würde es vielleicht an diesem Nachmittag einen noch höheren Sieg zu bestaunen geben?

Spätestens nach 50 Minuten, als Hans-Jürgen Dörner die bisherigen 7:0 egalisierte, wollte Dresden mehr. 2x Andreas Trautmann, dem Reinhard Radsch an diesem Nachmittag wohl vergeblich hinterher lief und außerdem Andreas Mittag, bei einem Gegentor von Frank Kuhnt, sorgten letztendlich dafür, dass die SG Dynamo Dresden am 05.09.1981 sagenhafte 10 Tore in einem einzigen Spiel erzielte. Auch für Chemie Buna Schkopau war dieses 1:10 eine Klatsche für die Ewigkeit.

Nach diesem Spiel war der Dynamo der Dresdner angelaufen. Mit dem Vizemeistertitel am Ende der Saison und dem Gewinn des FDGB-Pokals blieb die Saison 1981/82 in guter Erinnerung. Das Rückspiel war weniger spektakulär und endete 1:0 für die Dresdner. Chemie Buna Schkopau verlor auch die nächsten Spiele, am Ende reichten 11:41 Punkte und 21:77 Tore nicht zum Klassenerhalt.

Roland Nowotny erinnert sich noch einmal an „vor-magathsche“ Trainingsmethoden:

„Es kamen ja zum Teil Spieler aus der Bezirksliga (damals dritte Liga), die standen beim ersten Training in der Ecke und haben sich übergeben. Wir haben gekämpft, aber es hat eben nicht gereicht.“


SG Dynamo Dresden – Chemie Buna Schkopau 10:1

Samstag, 05.09.1981, Zuschauer: 19 000

Schiedsrichter: Streicher (Grimmitschau)

SG Dynamo Dresden: Bernd Jakubowski (81/0) – Hans-Jürgen Dörner (273/53) – Klaus Mahlzahn (0/0), Udo Schmuck (184/26), Christian Helm (170/2), ab 73. Minute Andreas Mittag (4/0) – Andreas Trautmann (73/20), Hartmut Schade (144/29), ab 73. Minute Gert Heidler (254/48), Frank Schuster (14/1), Lutz Schülbe (2/0) – Ralf Minge (16/6), Matthias Döschner (47/9)

Trainer: Gerhard Prautzsch (80 Spiele als Trainer, DDR-Oberligaspiele 92/4)

Chemie Buna Schkopau: Jochen Habekuß – Gerd Koßmann – Roland Demmer, Herbert Skowronek, ab 56. Minute Thomas Meichsner, Detlef Schäfer – Reinhard Radsch, Roland Nowotny, Günter Krosse – Frank Kuhnt, Helmut Brandtner, ab 46. Minute Rainer Wallek, Ralf Pretzsch

Trainer: Olaf Keller

Torfolge: 1:0 Schade (2), 2:0 Minge (9), 3:0 Helm (12), 4:0 Döschner (18), 5:0 Schülbe (28), 6:0 Minge (37), 7:0 Trautmann (52) , 8:0 Dörner (70), 9:0 Trautmann (70), 9:1 Kuhnt (81), 10:1 Mittag (87)

Zitate Roland Nowotny aus Mitteldeutsche Zeitung, online 31.05.2011, Autor: Jakob Maschke

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1300342894299

Statistik SG Dynamo Dresden – Chemie Buna Schkopau, DDR-Oberliga, Hg. Uwe Nuttelmann, Jade, Verlag Uwe Nuttelmann, ISBN: 3-930814-33-1, 1. Auflage Dezember 2007

http://www.weltfussball.de/spielbericht/oberliga-1981-1982-dynamo-dresden-sv-1899-merseburg/

„SG Dynamovic“

Jedes Jahr dasselbe Spiel. In der Sommer- und Winterpause wird der Spielerbaum kräftig durcheinander gewürfelt. Konnte man sich vor etwa 10 Jahren sicher sein, dass der Kader mit Beginn der Saison stand, so wird nun bis Anschlag 31.08. kräftig nachverpflichtet. So wurden unter anderem Cristian Fiel, Alexander Esswein, Jonas Strifler, Bekim Kastrati oder auch Markus Palionis nach Beginn der Saison geholt.

Dieses Jahr hat alles bisherige getoppt. Zu den 9 Verpflichtungen vor der Saison kamen nun noch 7 Nachverpflichtungen. Der Kader zum letzten Jahr hat sich so verändert, dass inzwischen Dennis Eilhoff, unser Torwart, geschätzte mehrere Jahre zum Verein gehört. Die Aufstiegshelden des letzten Jahres sind zum großen Teil nicht mehr da, verstärken die zweite Mannschaft oder füllen unsere Ersatzbank. Da ist es schon erstaunlich, wenn Trainer Ralf Loose am 29.08.11 in der DNN bemerkt:

Trainer Ralf Loose weiß, dass seine Mannschaft noch mit Anpassungsproblemen an die höhere Liga kämpft: „Man kann es dem Gegner nicht so einfach machen, das Spiel zu gewinnen. Im Prinzip muss unsere Mannschaft lernen, dass es etwas anderes ist, oben mitzuspielen als im Abstiegskampf zu bestehen. Abstiegskampf bedeutet, dass man häufig gegen einen Gegner spielt, der einen Tick stärker ist, der in gewissen Mannschaftsteilen mehr Qualität hat – und das muss man psychologisch erst mal wegstecken.“ Darauf müsse sein Team mental vorbereitet sein, die Ruhe bewahren, wenn sich der Spielverlauf nicht gleich nach Wunsch entwickelt.

http://www.dynamo-dresden.de/de/aktuelles/presse/details/artikel/dynamo-muss-noch-viel-lernen.html

Wen meint er da bloß? Außer Sebastian Schuppan, David Solga und Robert Koch war in den letzten Spielen doch gar kein Spieler der Aufstiegsmannschaft mehr vertreten?!

Unsere letzten beiden nachverpflichteten Spieler, Muhamed Subasic und Zlatko Dedic erinnern mich sehr an unsere Abwehr des Jahres 1999/2000. Spieler aus Serbien (Vladimir Manislavic), Bosnien (Ninoslav Milenkovic), Kroatien (Velibor Kopunovic) und Bulgarien (Branislaw Bulatovic) sorgten dafür, dass nach einer total verkorksten Saison Dynamo Dresden fast noch die Relegation für die neu gegründete Regionalliga Nord geschafft hätte. Im Buch „Dynamo Dresden 1993-2004“ von Uwe Karte wurde aus einem Stadion-Programmheft vom FC Sachsen Leipzig vom 13. Mai 2000 zitiert und vom „1.FC Dynamovic“ geschrieben.

Und wirklich, wir hatten seit 1992 wirklich mehr als eine komplette Elf zusammen, und gar keine schlechte!

Ignjac Kresic (206 Spiele, 0 Tore zw. 2000/06) – Alen Basic (24/0 zw. 2004/06), Branislaw Bulatovic (44/4 zw. 1999/01), Ninoslav Milenkovic (25/2 zw. Jan. und Dez. 2000), Vladimir Manislavic (47/13 zw. 1999/01) – Miroslav Stevic (55/4 zw. 1992/94), Igor Lazic (40/17 zw. 1995/Dez. 96), Alesandro Petrovic (30/2 zw. 2008/10) – Ranislav Jovanovic (61/14 zw. 2002/04), Veselin Popovic (19/5 zw. Nov. 1999 und Okt. 2000), Klemen Lavric (31/17 2004/05)

Mir fehlt Eintracht Trier!

Die Zweitligasaison 2004/05 beendete der 1. FC Dynamo Dresden auf einem guten 8. Platz. Unsere besten Ergebnisse erzielten wir gegen Eintracht Trier.

Im Hinspiel am 05.12.2004 verließen wir nach einem 4:1 erstmalig nach 10 Spielen wieder die Abstiegsplätze. Dieser auch heute noch höchste Heimsieg in der 2. Bundesliga (neben einem 4:1 gg Kickers Offenbach am 26.08.05) muss die damalige Mannschaft so motiviert haben, dass am darauffolgenden Spieltag erstmalig nach 8 Auswärtsniederlagen in Folge ein Punkt in der Fremde gesichert werden konnte (1:1 gg Rot-Weiß Erfurt). Vorboten einer punktereichen Rückrunde.

Am 15.05.05 gewannen wir in Trier mit 4:2. In keinem anderen Zweitligaspiel schossen wir auswärts 4 Tore. In diesem Spiel traf Klemen Lavric 3x ins Tor der Trierer und schoss damit insgesamt 5 seiner 17 Saisontore gegen den Gegner, der mir so fehlt in diesem Jahr.

Am Ende der Saison fehlte Trier ein einziges geschossenes Tor, um statt Energie Cottbus zweitklassig zu bleiben.

Doch auch uns erging es nicht besser. Klemen Lavric spielte bald in Duisburg und am Ende der darauffolgenden Saison warteten wir am letzten Spieltag vergeblich auf ein Tor von Bochum in Unterhaching, um weiter in der 2. Bundesliga spielen zu dürfen.