Das Problem regionaler Verwurzelung oder wie findet man einen Local-Player?

Spieler aus dem Nachwuchs beziehungsweise aus der 2. Mannschaft haben es ja erfahrungsgemäß etwas schwer bei Dynamo Dresden zum Zuge zu kommen. Nicht umsonst stellte es bereits in der letzten Saison ein Problem dar, 4 Spieler für den Kader der 1. Mannschaft zu finden, die als „local-player“ (diese müssen vom Verein für mindestens 3 Jahre im Alter zwischen 15-21 Jahren ausgebildet worden sein) gelten. Neben Marcel Franke (0 Saisoneinsätze), Lars Jungnickel (2 Saisoneinsätze), Maik Kegel (12 Saisoneinsätze) konnte schließlich Co-Trainer Nico Däbritz mit damals 39 Jahren zum Comeback auf dem Papier überzeugt werden.

Nach dem feststehenden Wechsel von Maik Kegel nach Chemnitz wird es dieses Jahr nicht einfacher werden. Nachdem für die 2. Mannschaft kein Lizenzantrag für die erreichbare Regionalliga Nordost gestellt wurde und entschieden wurde, weiterhin das Startrecht für die NOFV-Oberliga Süd wahrzunehmen, werden sich die talentierten Spieler anderweitig umschauen und wahrscheinlich kein „Angebot“ als Local-Player annehmen. Die Besetzung der Position des 3. Torhüters an keinen Dynamo – Nachwuchsmann darf daher als Schlag in die Magengrube der Talenteausbildung angesehen werden. Ob nun, wie von Vereinsseite dargestellt, der Berater des Spielers Marek Große oder aber der Verein bei den Verhandlungen geschludert haben, wird ungeklärt bleiben. Ärgerlich ist es auf alle Fälle! Dennoch werden auch in diesem Jahr die 2 freien Stellen neben Marcel Franke und Lars Jungnickel besetzt werden! „Machs noch einmal Nico!“ist dabei genau so möglich/denkbar wie eine Reaktivierung vom ehemaligen Geschäftsführer Volker Oppitz, der gegen seine Kündigung vom Verein klagt…

Unter den Umständen ist es umso erstaunlicher, wie stark frequentiert der SG Dynamo Dresden – Talent – Tag 2012 war. Nachwuchsspieler, zwischen 2003 und 2006 geboren, waren am vergangenen Freitag (15.06.2012) eingeladen, ihr Können den „gestrengen“ Jugendtrainern der SGD zu zeigen. Sympathisch war ihr Anliegen, dass die Jungen Spaß haben sollten und vor allem darauf geschaut werden sollte, „ob der Ball eher ein Feind oder Freund sei“.

Und Spaß hatten die Kinder. Aufgeteilt in Gruppen zu 5-6 Spielen, sollten sie sich in kleinen Erwärmungsspielen gegenseitig vorstellen und irgendwann wussten sie fast alle den Namen der Anderen (Nico, Finn, 2x Felix und wer war gleich nochmal der Fünfte???). Dann wurde gegeneinander gebolzt und geschwitzt, die Trainer schauten interessiert zu (und manchmal auch einfach auf das Feld nebenan) und es zeigte sich wieder, dass manche Eltern nicht nur abends der Bundestrainer sind, sondern zuvor auch der persönliche Trainer und Berater ihrer Sprösslinge. Und einzelne Muttis waren dabei nicht weniger energisch als manche Papas! Aber mal ehrlich, ist es wirklich das Ziel, dass der Sohnemann dann 2021 ein weiterer Local-Player ohne Einsatzzeit wird? Dem armen Nico wird am Abend noch der Kopf von die vielen wichtigen Hinweisen seiner Eltern geglüht haben…

http://de.wikipedia.org/wiki/Ausl%C3%A4nderregelung

http://www.dynamo-dresden.de/de/aktuelles/verein/details/artikel/u23-bleibt-in-der-nofv-oberliga-sued.html

5 Gedanken zu „Das Problem regionaler Verwurzelung oder wie findet man einen Local-Player?

  1. Sebastian

    Tja, die Nachwuchs-Strategie bei der SGD ist mehr als unklar. Da soll die F-Jugend abgeschafft werden, dann doch nicht, dann doch und dann soll es plötzlich wieder drei Teams geben. Dazu dann eine eher privatwirtschaftliche Schule, die mehr der Einnahmenerzielung und dem Image dienen dürfte als der Nachwuchsförderung.

    Aber wer will es ihnen vorwerfen?

    Ab dem Punkt, wo die Talente wirklich richtig „Fußball“ lernen (Und nicht nur die kindische Ballbehandlung und Begeisterung), ab dem hat man auch keine Chance mehr, die wirklich richtig, richtig guten Talente zu halten. Man kann die Local Player Regel also durchaus auch als Instrument begreifen, den Vereinen der zweiten Liga den Weg nach oben zu verbauen. Immerhin müssen sie vier Spieler einsetzen, die es nicht mit 14, 15, 16 zu den wirklich großen Ausbildungszentren geschafft haben, wo man es sich teilweise erlauben kann, 20-30 Toptalente eines Jahrgangs auszubilden.

    Antworten
  2. ballsalat Artikelautor

    Das wir bei Talenten wie beispielsweise Patrick Pflücke immer verlieren werden, wenn Erstligisten zum einem dem Talent als auch der gesamten Familie einen nicht nur finanziellen Anreiz geben, ist klar, ich denke aber, dass es für Dynamo armselig ist, nicht auf 4 vereinseigene Talente zu kommen, die eine Perspektive haben können.
    Sie bekommen ja nicht einmal die Chance, sich zu zeigen. Marcel Franke saß 1x in Duisburg auf der Bank, so entwickle ich keine Talente und so muss ich mich auch nicht wundern, wenn sie bald ganz weg sind!

    Antworten
  3. Sebastian

    Ja, das ist ärgerlich! Aber am Ende ist Marcel eben wirklich nur wegen der Local Player Regelung im Kader und genau das meine ich. Vereine in der 2. Liga werden gezwungen den Kader mit Spielern zu füllen, die mit 16 nicht das Zeug für einen Erstligaclub hatten…

    Ich will weiß Gott nicht die Nachwuchspolitik bei Dynamo schön reden oder sagen, dass diese „sinnlos“ ist. Aber Fakt ist, dass die Local Player Regelung in meinen Augen eben auch echte Risiken für die Vereine 20-36 im Profifußball birgt. In der 3. Liga hätte Marcel Franke bestimmt gespielt.

    Antworten
  4. ballsalat Artikelautor

    Wobei man ja auch mal dasselbe machen könnte wie wir derzeit, höherklassig ausleihen (Thoelke, Savic, vorher Schahin…) und entwickeln lassen und dann zurückholen.
    Beispielsweise war die erste Leihe von Philipp Zeiger nach Plauen gar nicht schlecht, jetzt ist er eine Verstärkung für den Halleschen FC. Können wir nicht auch mal junge Spieler verleihen (wenn wir schon nicht die 2. Mannschaft fördern) und uns dann später mit mehr Erfahrung zurückholen? Die Local-Player Sache müsste doch dann trotzdem noch gelten?
    Was mich ärgert ist, wenn es diese Ausbilderregel gibt muss ich auch was damit machen. Eduard Geyer wusste zu Regionalligazeiten mit dieser U23 Regel auch nichts anzufangen, musste aber halt immer jemanden für die Bank dabeihaben. Unter Ruud Kaiser gab es dann ein paar junge Spieler mehr im Kader und meiner Meinung nach haben die sich gegenseitig gepusht um dabei zu sein.
    Ich denke nicht, dass diese Local-Player Regel gefährlich ist für Zweitligisten wie Dynamo, wir müssen halt die 4, die wir auswählen, entsprechend fördern. Und es gab in der letzten Saison durchaus Möglichkeiten, ihnen wenigstens etwas Spielzeit zu geben. Musste es denn immer der Wechsel Fiel/Papadopoulos, Dedic/Fort oder Schuppan/Subasic sein?
    Und mit einem laufenden Nachwuchshleistungszentrum weniger junge Talente hervorzubringen als die Jahre zuvor (wo auch nicht viel los war…), was machen wir denn da eigentlich???

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*