Die Inthronisierung des Olaf Janßen

Nach langem Hin und Her ist Olaf Janßen der neue Trainer der SG Dynamo Dresden. Es ist sehr erfreulich, ihn in Dresden begrüßen zu dürfen, nachdem mal wieder eindrucksvoll bewiesen wurde, wie halbe unbestätigte Neuigkeiten nach dreimal Teilen in sozialen Netzwerken zu offiziellen Statements umgebogen werden können.

Schaut man im Netz nach, so kann man jede Menge Unterstellungen finden, wer wen womit ins Abseits drängen wollte. Ich habe mir heute die Zeit genommen, die Pressekonferenz sowie Interviews mit dem Geschäftsführer Christian Müller sowie einen Monolog des Aufsichtsratsmitgliedes Thomas Dathe anzuschauen und zu -hören.

http://www.radiodresden.de/nachrichten/lokalnachrichten/janssen-vorgestellt-erste-einheit-unter-dem-neuen-trainer-656503/#&panel1-1

Es ist vielleicht etwas blauäugig und für manchen auch viel verlangt, aber wenn man sich mal davon löst, selbst Kapitän, Trainer, Geschäftsführer und sportlicher Leiter in einer Person zu sein und dazu noch einen Sitz im Aufsichtsrat sein eigen zu nennen, sondern sich einfach mal auf seine eigentliche Rolle, die des Fans, besinnt, so kann man einem Großteil der Ausführungen irgendwie folgen.

Dennoch habe ich mir natürlich auch meine eigenen Gedanken gemacht. Es gibt nach der sich bereits im Sommer ankündigenden Demission von Peter Pacult die Aufgabe für den sportlichen Leiter, einen neuen Trainer zu suchen, um eine den Verein beunruhigende Situation lösen zu können. Das strudelnde Schiff muss wieder auf Kurs gebracht werden. Einige Ideen entpuppen sich als nicht mögliche Hirngespinste, ehemals regional verwurzelte Trainer sind anderweitig beschäftigt, andere Anfragen verlaufen im Sande oder sind einfach nicht finanzierbar. Man kann es sich nicht vorstellen, aber vielleicht sogar ist das Angebot einer Zweitligamannschaft mit roter Laterne und einem Verschleiß von etwa einem Übungsleiter pro Jahr auch nicht für jeden Trainer lukrativ. Mit einer Liste möglicher Kandidaten machen sich dann am Montag sportlicher Leiter und Geschäftsführer auf den Weg zum Aufsichtsrat. Dieser steht noch vollständig im Eindruck des letzten Spieles, welches gerade einmal einen Tag zuvor stattfand. Das die Mannschaft ohne Selbstvertrauen spielte, ist das eine, dass sie einen erneuten Rückstand aufholte, macht vielleicht ein wenig Mut, dass jedoch der Anhang sich abwendet, ist bedenklich. Jeder der Trainer, der auf der Liste steht, hätte ein Himmelfahrtskommando vor sich, eine verunsicherte Mannschaft, eine prekäre Tabellensituation, die schnelle Erfolge verlangt und einen Anhang, der extrem unzufrieden ist. Das sind mehr als genug Baustellen. Aber gab es da nicht einen erst angedachten und auch kurz mal angesprochenen Kandidaten, der den Rückhalt der Fans hätte, wenn man ihn bewegen könnte, sie mit seinem breiten Kreuz zu besänftigen? Der Fokus der Medien wäre vorerst von der Mannschaft genommen… Dem ehemaligen Idol würde man den einen oder anderen weiteren und zu erwartenden Rückschlag verzeihen, da er als Spieler der nie vergessenen Zeit und jetziger Trainer das Symbol für die jahrzehntelange Sehnsucht des Anhangs spiegeln könnte? Wenn dieser Mensch, nennen wir ihn einfach mal Ralf Minge, überzeugt werden könnte??? Soweit zur Sitzung am Montag. Vor der Tür stand der MDR, im Netz warteten die Fans auf die Verkündung. Aber nun musste man doch einfach die Möglichkeit durchspielen, ob sie eventuell auch der Realität standhalten könnte. Man brauchte mehr Zeit, die man einfach nicht hatte.

Ich glaube auch nicht, dass der Maulwurf, den Namen „Ralf Minge“ am Dienstag weitergab, aus böser Absicht handelte. Vielleicht war es, so wie die Fans den Namen ab Dienstagnachmittag enthusiastisch aufsogen, ebenso eine geflüsterte Weitergabe mit strahlenden Augen??? Von der Resonanz der Medien ganz zu schweigen. Ein Name, der nicht genannt wurde, ein Name, der Klang besitzt, ein Name, der mehr als eine Schlagzeile hergibt. So kam eins zum anderen und die Wucht der angelaufenen Maschinerie war nicht mehr aufzuhalten. Ralf Minge wird Trainer, der zwar noch nicht zugesagt hat, aber was macht das schon. Ralf Minge wird Trainer.

Falsch, nun ist es plötzlich Olaf Janßen geworden, ein junger Trainer, der einen sympathischen Ersteindruck gemacht hat. Es könnte unser Glück gewesen sein, dass er sich bereits wieder im osteuropäischen Ausland befunden hat, um sich mit seiner aserbaidschanischen  Mannschaft auf das Spiel in Israel vorzubereiten. Er hat wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Nachrichten, die durchs Netz zogen, mitbekommen, anders als Ralf Hasenhüttl, den dieser Nachrichtensturm mit der unterschwelligen Aussage, jeder, der jetzt kommt, ist ein Notnagel, zur Absage bewogen.

Ich wünsche dem neuen Trainer viel Erfolg und das ihm die Einarbeitungszeit gegeben wird, die auch einem Dresdner Idol Ralf Minge gegeben worden wäre. Ziehen wir Fans uns auf unser Metier, Fan zu sein, zurück und erwarten nicht gleich Traumtore, hohe Siege und jede Menge Glanzparaden von unser Mannschaft!

Ein guter und dynamischer Anfang wäre getan!

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