Dinge, die nicht geschehen, wenn man sie plant

Vor vielen Jahren, als kleiner Junge, durfte ich mit meinen Freunden auf einem Vereinsfußballplatz bolzen (heute undenkbar), wenn niemand anderes ihn nutzte. Irgendwann in dieser Zeit ist mir ein ähnlich ungewollt fulminanter Schuss gelungen wie am gestrigen Abend Robert Koch für oder auch Sercan Sararer gegen Dynamo Dresden. Hätten beide Spieler solch gewagte Torschüsse von vornherein geplant, wären die meiner Mutmaßung nach niemals gefallen.

Meine Freunde und ich bolzten vor etwa 25 Jahren immer in Dresden-Leuben auf einem Schotterplatz mit Jugendtor direkt neben dem Spielfeld der Männer. Unsere Knie waren oft blutig verkrustet, manchmal standen Baugeräte direkt neben oder hinter dem Spielfeld und nur selten nahm der Platzwart seine Aufgabe, den Sportplatz nur für Vereinsmitglieder zu öffnen wirklich ernst. Unser Spiel ging immer gleich: Einer im Tor, die anderen Jungs gegeneinander und immer auf den im Kasten, der dadurch unter Dauerbeschuss stand. Ich muss nicht dazu sagen, dass er recht bald der Beste unserer Bande war. An einem Nachmittag lag meine Mannschaft, wie gestern Abend Fürth, zurück und etwas musste geschehen. Das Tor war wie vernagelt, nichts gelang so richtig und irgendwie fanden wir nicht den richtigen Draht zum eigentlichen Spiel. Gestern Abend flankte Sercan Sararer ungewollt ins Tor, ließ dabei Wolfgang Hesl etwas tollpatschig aussehen und war wohl selbst am meisten von seinem Tor überrascht. In meiner späten Kindheit nahm ich mir aus einiger Entfernung den Ball und drosch ihn halbhoch durch die vielbeinige Abwehr aufs Tor. Na ja, ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mein Verzweiflungsschuss nicht im Gehäuse einschlug sondern sogar so weit vorbei flog, so weit, dass unser Torwart sich nicht einmal die Mühe machte, ihm hinterher zu sehen. Sein Pech, so so hörte er es nur dumpf scheppern und sah die ungläubigen Blicke und Ausrufe von uns allen.

Danach war das eigentliche Spiel beendet und wir hatten verloren, was aber keinen, egal ob Gewinner, Torwart oder Verlierer, interessierte. Nacheinander versuchten wir bis in die Dämmerung hinein, aus Distanz direkt in die Öffnung des orangfarbenen Betonmischers neben dem Tor zu zielen, welche nur wenig größer als ein Fußball war. Es gelang niemandem!

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