Höchststrafen

Mit Strafen ist das ja so eine Sache. Als ich am Montagmorgen Antibiotika verschrieben bekam, war ich im ersten Moment glücklich, keine Karte für das ausverkaufte Spiel bekommen zu haben. Kurz darauf wurde mir jedoch schlagartig bewusst, dass ich das Spiel nun wohl gar nicht sehen können würde. Es gab zwar die Liveübertragung auf Sport1, jedoch befindet sich bei mir zu Hause kein Fernseher. Ein Besuch bei Freunden verbot sich in meinem Zustand von selbst. In dem Moment empfand ich das schon als hohe Strafe, die mir das Penicillin auferlegt hatte. Heute morgen sehe ich das etwas anders.

Ich hatte mich, bewaffnet mit Thermometer, Tee und „Fiebersenkern“ aufs Sofa geknallt und die Radioübertragung von 90elf eingestellt. Am Anfang hatte ich das Gefühl, etwas Großes zu verpassen. Es ging hin und her, Ecke für Dynamo, Freistoß, Chance für Frankfurt, Ecke für Dynamo, Freistoß… Einmal Dynamo - immer Dynamo

Verwendung des Bildes „Einmal Dynamo – immer Dynamo“ mit freundlicher Genehmigung von srmurphy (flickr.com)

Dieses Fußballspiel schien in doppelter Geschwindigkeit zu laufen, vielleicht kam mir das aber nur so vor, weil ich durch mein verschriebenes „Dope“ extrem langsamer war als gewöhnlich. Die langen Frankfurter Kerle wirkten im Radio nicht bedrohlich und nach einer Viertelstunde ging es auch auf der anderen Seit nach vorn. So richtig glücklich war ich dann in der 31. Minute, als Dresden den Freistoß kurz hinter der Strafraumgrenze bekam. Die Einleitung des Radiomoderators war gut und ich hatte das untrügliche Gefühl, jetzt passiert was. Ohne das Tor gesehen zu haben, würde ich aus dem Hören schließen, dass es Ähnlichkeiten mit dem Tor desselben Cristian Fiel in Osnabrück gegeben haben muss?! Ein direkter Freistoß, ein gegnerischer Abwehrspieler, der dem Ball eine neue Richtung gibt und dann ist das Ding drin! Und eigentlich war´s das dann auch. Nun hätte ich mich der Wirkung von Paracetamol hingeben und mit einem guten Gefühl schlafen sollen.

Ich hatte das Tor noch nicht komplett verdaut, da stand es schon 1:1. Ein Kopfballtor, aber nicht von den Schränken Alex Meier (196cm) oder Mohamadou Idrissou (190cm), sondern vom eher zarten Theofanis Gekas (179cm). Kurz darauf doppelte sich die Symbolik, als Gekas, erneut unbedrängt von Florian Jungwirth, zum 2:1 Pausenstand einnickte.

Nun gut, Mund abputzen und nach der Pause geht´s richtig los. Der Moderator war ein wenig verwundert, dass es plötzlich 1:2 stand, obwohl doch eigentlich die großen Chancen gar nicht gegeben waren. Ich war mir sicher, dass es noch ein paar Tore geben würde.

Die zweite Hälfte plätscherte irgendwie ein wenig an mir vorbei. Ich hörte vor allem Ecke für Dynamo, Freistoß, Chance für Frankfurt, Ecke für Dynamo, Freistoß… leichter Ballverlust Dynamo, Ball schon wieder weg, dazu noch Subasic = ängstlich + Unsicherheitsfaktor und Jungwirth = gebrauchter Tag + nicht sein Spiel…

Ich hatte nicht so richtig das Gefühl, dass die Tore, die ich zur 2. Hälfte erwartet hatte, Dynamo würde beisteuern können. Der Moderator sprach zwar viel und schnell, aber in der Nähe des Strafraumes der Frankfurter überschlug seine Stimme sich nie. Und der Rest ist schnell erzählt. Als sich Dynamo in der 80. Minute doch noch einmal kurz aufzuraffen schien, konterte Frankfurt 2x eiskalt. Diesmal schlug der „Schrank“ Muhamadou Idrissou zu, aber nicht, wie erwartet, mit dem Kopf, sondern 2x mit dem Fuß.

Ich ging rasch darauf zu Bett, schlief zum Glück traumlos und bekam heute Morgen meine persönliche Höchststrafe, als der beste Papa von allen, der, der sich so was von überhaupt nicht für Dynamo interessiert, mir eine DVD vom gestrigen Spiel gab. Die werde ich mir wohl noch anschauen müssen, aber wenn man weiß, wie traurig es ausgeht…

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