Ultras Rähnitz never, 1953 ever

Onkel Wismut hat Probleme

Gestern Abend meldete sich mal wieder Onkel Wismut bei mir. Anfangs dachte ich, er wolle nochmal ein paar Sachen wegen kommenden Sonntag besprechen, wann er gedenke einzutreffen, was er mitbringen wolle,… die üblichen Dinge halt, wenn man sich zum Kaffee verabredet hat. Doch Wismut war anders drauf als sonst, irgendwie eigenartig.

Ihr alle kennt ja Onkel Wismut, er kommt einmal im Jahr vorbei und einmal mache ich einen Gegenbesuch. Mehr halten wir beide nicht aus, da sind wir zu verschieden, aber andererseits, es ist auch jedesmal aufregend, wenn wir uns sehen.

Gesehen haben wir uns auch am gestrigen Abend, denn Onkel Wismut ist neuerdings modern geworden. Computer, Internet und solche Sachen waren ihm bisher immer suspekt gewesen. Wahrscheinlich wohl auch zu teuer http://www.ballsalat.de/onkel-wismut-ist-ein-geizkragen/ und modern. Nun hat er mich sogar angeskypet. War bei ihm denn plötzlich der Wohlstand ausgebrochen, dachte ich mir, als ich das Videogespräch annahm?!

Doch was ich dann sah, ließ mich erschaudern. Auf den allerersten Blick sah er aus wie immer, zerzaustes Haar, eine schmutzige lila Schürze, eigenartiges Grinsen. So weit, so gut, doch Onkel Wismut sah nicht gesund aus. Die Augen, verquollen und blutunterlaufen, blickten mich ängstlich an. Er wirkte gehetzt, fast, als würde er verfolgt werden. Es ging ihm eindeutig nicht gut. Er hielt sich auch gar nicht lang bei irgendwelchen Begrüßungsfloskeln auf, sondern kam gleich zur Sache. „Wir müssen reden! Du musst mir helfen!“

Ich musste mich jedoch zuerst mal sammeln. Die vielen Eindrücke verfestigten sich langsam zu einem beunruhigendem Bild. Wahrscheinlich wartete ich zu lang mit einer Antwort, jedenfalls setzte Wismut gleich noch einen drauf: „Diesmal wirklich!“

Was Wismut wollte, war mir nicht so ganz klar. Er erklärte umständlich, mit mehreren Wiederholungen, verschiedenen Ausschmückungen, nachgereichten Ergänzungen und mit viel Theatralik. Ich verstand eigentlich nur, was ich zuvor bereits sehen konnte. Es ging ihm wirklich nicht gut. „Die wollen endlich Ergebnisse, so schnell wie möglich. Die Hälfte reicht diesmal nicht!“

Jetzt dämmerte mir so langsam, woher der Wind wehte. Unwillkürlich versteifte sich mein Nacken. Es war doch jedesmal dasselbe. Wismut verzockte sich bei seinen vielen Reisen und bei mir wollte er es wieder rausholen! Mehr als die Hälfte? Das konnte er vergessen! So sagte ich es ihm auch, nur netter und durch die Blume. Jedenfalls verstand ich genau, was ich damit meinte. Wismut jedoch nicht. „Wie meinst Du das?“

„Das wird diesmal nicht gehen! Es geht mir zur Zeit auch nicht so gut!“ Wismut trommelte nervös mit seinen Fingern auf den Tisch, vor dem er saß. „Aha, so ist das! Da hat man einmal eine kleine Bitte und die wird einem nicht erfüllt! Sind wir nicht eine Familie?“ 

Wismut wusste, an welchen Hebeln er ziehen musste. „Wir haben die gleiche Herkunft, nicht die Eltern!“ „Ist das nicht das Gleiche?“ schrie Onkel Wismut seinen Rechner an und damit auch mich. So hatte ich ihn lang nicht erlebt. Wurde er etwa von denen, die Ergebnisse sehen wollten, bedroht?

„Ich habe dir doch bei deinem letzten Besuch im vergangenem November alles gegeben, was du wolltest“, versuchte ich Wismut nach seinem emotionalen Ausbruch wieder zurück auf den Weg der Fakten zu führen. Wismut sah mich lange an, dann antwortete er: „Und was war 2009?“ Ehe ich antworten konnte, fügte er noch hinzu: „Als ich dich sogar zweimal besuchen kam?“

„Dafür hast du mich im November 2005 gedemütigt, als du dir IN MEINEM WOHNZIMMER! alles mitgenommen hast, ohne einmal zu fragen?!“ Jetzt war ich in Rage und verlor mich in Emotionen. Was dachte sich dieser Bergbewohner eigentlich? „Zwischen 1995 – 2000 hast du immer was bekommen, meist mehr als die Hälfte! Das hat mich geärgert, aber ich habe nie was gesagt!“ 

„Dann denk du mal an unsere Kindheit, da habe ich nie was bekommen, die Geschenke blieben immer bei dir!“ brüllte jetzt Wismut. „Bis Sonntag, du wirst schon sehen!“, dann kappte er die Verbindung und war nicht mehr zu erreichen!

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