Onkel Wismut ist ein Geizkragen

Letzten Sonntag war mal wieder Onkel Wismut zu Gast. Ich kann ihn nicht leiden, aber seine engere Verwandschaft kann man sich ja nicht so richtig aussuchen. Onkel Wismut gehört halt dazu und manchmal kommt er auch vorbei, da kann man nichts machen.

Onkel Wismut ist ungefähr 7 Jahre älter als ich und früher, da hat er sich benommen. Wir haben uns eigentlich jedes Jahr gesehen und wenn ich mich recht entsinne, hat er auch immer etwas dagelassen, wenn er zu Besuch war. Ich manchmal auch, wenn ich bei ihm im Erzgebirge war, aber Onkel Wismut war großzügiger.

Dann kam die Wende und wir haben uns etwas aus den Augen verloren. Während ich die alten Bundesländer erkundete, blieb er in unserer Heimatregion. Er war nie dafür zu begeistern, neue Landschaften zu erkunden. Er war und ist halt ein Bauer, aber das bleibt unter uns! Die lila Schürze, die er immer trägt, die sagt doch alles!

Na ja, auf alle Fälle bin ich in der großen Welt ganz schön reingelegt worden. Irgendwann war das schwer erarbeitete Geld weg und ich kehrte zurück nach Sachsen, Onkel Wismut kam mich auch gleich besuchen, erklärte mir lang und breit, was alles bei mir schiefgelaufen war und auch sonst war er anders als früher. Er ließ sich bedienen und schenkte mir nichts mehr. 5x war er zu Besuch, einmal bekam ich ein Veilchen, das wars! Seine frühere Großzügigkeit war ihm verloren gegangen.

Im Jahr 2000 brauchte ich erstmal Abstand. Zwei Jahre darauf rief er wieder an, ob er vorbei kommen könnte. „Die Zeiten der Geschenke sind aber endgültig vorbei!“, ließ er mich bereits im Vorfeld wissen und so war es dann auch. Plötzlich fühlte sich Onkel Wismut berufen, selbst durchs ganze Deutschland zu fahren und viele Ecken zu erkunden. „Komm mich doch bald auch mal wieder besuchen! Und bring was mit!“, rief er mir beim Abschied hinterher. Die Zeiten waren endgültig andere als vor 1991!

Na gut, nach meinem Schiffbruch in der großen Welt war es wirklich Zeit geworden, mal selbst wieder durch jede Ecke des Landes zu reisen und im Sommer 2004 war es endlich soweit! „Onkel Wismut, ich komme dich bald besuchen!“ Seine Freude schien sich in Grenzen zu halten. Na ja, wenigstens bei seinem Gegenbesuch brachte er Kaffee und Kuchen mit und ließ die Reste sogar bei mir. Würde nun alles wieder wie immer werden? Aber nein, im Jahr darauf nahm er alles mit, was er bei mir finden konnte. Onkel Wismut war komisch geworden. Ich ertrug ihn immer seltener. Ich brauchte wieder eine Pause.

2008 dann ein neuer Besuch. Ich richtete mich gerade häuslich neu ein und mein Wohnzimmer war eine einzige Baustelle. Onkel Wismut war das egal, er freute sich riesig, zu sehen, dass ich endlich umbaute. „Das war ja auch nicht mehr auszuhalten. Das da überhaupt noch jemand vorbeikam, wundert mich wirklich!“

Auch im folgenden Jahr, als ich fast fertig war, kam er vorbei und schenkte mir noch etwas Farbe. „Das kannst Du sicher gebrauchen?!“, meinte er gönnerhaft aber das Lila habe ich ganz schnell weiter verschenkt, als er gegangen war.

Na ja, 2010 darauf reiste er wieder etwas intensiver und hatte keine Zeit für mich. Am Sonntag haben wir uns nach mehr als einem Jahr wieder gesehen. Ich hätte ja erwartet, dass er etwas zu meinem neuen Wohnzimmer sagt, aber außer seinem beleidigtem: „Das Lila hätte dem Zimmer gut gestanden, aber wenn Du es nicht nötig hast…!“ sagte er gar nichts. Dagelassen hat er natürlich nichts, der Schuft!

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