Ralf Loose – ein Rückblick

Derzeit gibt es mal wieder dicke Luft bei der SG Dynamo Dresden. Nach der deftigen Heimpleite gegen den VfL Bochum folgten erstmals in dieser Saison der Relegationsplatz, einen Tag darauf die Beurlaubung unseres Trainers Ralf Loose und als das noch nicht einmal verdaut war, kam noch der DFB-Pokalausschluss hinzu. Was die Gelbschwarzen in nicht einmal einer Woche an Schlagzeilen liefern, recht bei anderen Vereinen für mehrere Jahre. Da ich gestern ziemlich sprachlos war, gilt mein Blick zurück zuerst einmal Ralf Loose.

Ralf Loose wurde am 12.04.2011 Trainer der SG Dynamo Dresden, als Matthias Mauksch im letzten Saisondrittel das Ziel aus den Augen verlor, was vor der Saison gar nicht benannt wurde. Nach drei Niederlagen in Folge, davon zwei Ostderbys daheim gegen Erfurt und auswärts in Rostock, sah der Verein keine Wahl mehr und entließ den Trainer. Was zuerst als Fluch des offiziell ungeplanten Erfolges gedeutet werden konnte, hatte jedoch wohl eher seine Gründe in den zwischenmenschlichen Problemen zwischen dem Übungsleiter und der Mannschaft.

Furioser Start

Ein Kommunikator war damals gefragt und Ralf Loose übernahm diesen Part mit großem Erfolg. Seine erste Ansprache in der Kabine wurde oft zitiert: „Wer glaubt an den Aufstieg?“ Die Spieler nicht so richtig, nur noch die kühnsten Fans und unser damaliger neuer Trainer. Der Rest wurde ein großes Dresdner Sommermärchen. Loose schaffte es, die verunsicherte Mannschaft auf den Punkt zu motivieren. Dem ersten wackeligen Sieg gegen Koblenz folgten weitere, nur das 1:1 in Babelsberg war kein Sieg, am Ende jedoch der entscheidende Punkt, um einen Punkt vor Wehen Wiesbaden auf dem zur Relegation berechtigten 3. Platz einzufahren. Mit fünf Siegen und einem Unentschieden unter der Leitung von Ralf Loose qualifizierten wir uns doch noch für die Relegationsspiele gegen den VfL Osnabrück. Unser Trainer hatte mit der Mannschaft eine nicht mehr erwartbare Kehrtwende hingelegt und damit deutlich die These widerlegt, dass ein Trainerwechsel nichts bringen würde. Nach 2 dramatischen Spielen waren wir am Abend des 24.05.2011 auf einmal Zweitligist.

Ralf Loose hatte nach gerade einmal 8 Spielen nahezu Heldenstatus erlangt und nun die schwere Aufgabe, eine zweitligataugliche Mannschaft zu aufzubauen. Da einige Spieler schon anderweitig unterschrieben hatten und anderen der Sprung in die höhere Spielklasse nicht zugetraut wurde, war der notwendige Umbau größer als erhofft. Wo andere Vereine ihren Kader planvoll verstärken, baute Dynamo eine neue Mannschaft auf.

Starkes Mittelteil

Das Abenteuer begann mit einem Rumpfkader. Gefühlte 100 Testspieler waren vor Saisonbeginn Trainingsgäste, dass schwarzgelbe Dress zog letztendlich keiner über.Ob Ralf Loose wirklich den Rohdiamanten im Heuhaufen finden wollte oder ob dies einer Verwirrtaktik darstellen sollte, bleibt ungeklärt. Bis zum Ende der Transferperiode wurden dennoch sieben Spieler nachverpflichtet, vor allem der 4:3 Ausnahmesieg im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen eröffnete neue Möglichkeiten. Der Blick unserer sportlichen Leitung ging immer mehr nach Frankreich. Zu Romain Bregerie kamen etwas später noch Cheikh Gueye und Mickael Poté hinzu, in der Winterpause wurde das Trio mit Vujadin Savic zum französischen Quartett ergänzt.

In der Liga startete Dynamo Dresden etwas holprig, jedoch wurden jedesmal, wenn es nach unten hätte eng werden können, Siege eingefahren. Darunter war der prestigeträchtige 4:0 Heimsieg gegen Union Berlin oder mit einem 2:1 der erste Sieg gegen den VfL Bochum überhaupt. Spätestens mit dem grandiosen 4:2 in München übertölpelte unser Trainerschlitzohr den Gegner. Mit einem neuen Torwart und einer Fünferabwehrkette zog er der gegnerischen Offensive den Nerv und Mickael Poté zeigt mit seinen drei Treffern, dass die vorherige Torquote eines Stürmers nichts darüber aussagt, wie wertvoll er für einen Verein sein kann.

Danach etablierte Ralf Loose bis zum Saisonende ein stabiles 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern. Gewöhnungsbedürftig waren sicherlich seine späten positionstreuen Wechsel. Meist traf es Filip Trojan, Zlatko Dedic oder einen der defensiven Mittelfeldspieler. Auch die Subasic-Schuppan-Rotation war vielleicht etwas vorhersehbar, der Erfolg gab unserem Trainer jedoch recht.

Das Gerüst der Mannschaft stellten die neu verpflichteten Spieler. Zwar ging ihnen Cristian Fiel als Kapitän voran, jedoch etablierten sich neben ihm nur wenige Spieler, die im Sommer zuvor den Aufstieg erkämpften. Vor allem bei Benjamin Kirsten und Florian Jungwirth „bemängelte“ Ralf Loose immer wieder die fehlende Körpergröße, ein Totschlagargument!

Trauriger Absturz

Das Wort Krise gab es in dieser Zeit jedoch nicht. Recht früh stand der Klassenverbleib fest und in Ruhe konnte die Mannschaft stabilisiert werden. Mit dem aus Bochum ausgeliehenen Zlatko Dedic verließ nur ein Stammspieler die Mannschaft. Nebenbei tauschte die sportliche Leitung nach und nach die Ergänzungsspieler aus, um den Kader ausgeglichener zu gestalten. Nicht wenige hofften dabei auf einen größeren Konkurrenzkampf in der Mannschaft, die ja im ersten Zweitligajahr oftmals sowohl in ihrer Aufstellung als auch in den erfolgten Wechseln vorhersehbar war. Einige Wechsel waren erwartbar, schließlich wurde Sascha Pfeffer schon vor der ersten Zweitligasaison gesagt, dass seine Chancen als Einwechselspieler der Liga 3 eine Klasse höher nicht unbedingt größer sein würden. Auch Martin Stoll und Jens Möckel verließen den Verein. Beide Spieler waren vor dem ungeplanten Aufstieg für die 3. Spielklasse verpflichtet worden. Vor allem der Umgang mit Jens Möckel wirkte von außen betrachtet nicht immer unbedingt fair. Mit Maik Kegel verließ eines der wenigen Nachwuchstalente den Verein. Von Matthias Mauksch gefördert, gab es seine Position im offensiven Mittelfeld unter Ralf Loose nciht mehr. Die halbherzigen Versuche, ihn in Dresden zu behalten, hatten eher den Anschein, die geforderte Nachwuchsquote zu erfüllen.

Die Nachfolge von Zlatko Dedic gestaltete sich schwierig, beunruhigte den Anhang jedoch nicht über die Maßen. Schließlich kam Dedic ja auch erst kurz vor Transferschluss. Seine Torquote zuvor ließ die 13 Saisontore ja auch nicht unbedingt erahnen. Also ging Dynamo mit Mickael Poté in die Saison, dessen Wechselwünsche in die 1. Bundesliga die Dresdner Sommerpause „bereicherte“. Ihm zur Seite stand vorerst der Edeljoker der vergangenen Saison, Pavel Fort. Mickael Poté traf mit ihm an seiner Seite, danach auch allein an vorderster Front und überdeckte damit vorerst das, was sich im Verlauf der Hinrunde zum Problem entwickeln sollte.

Da Ralf Loose durch die Lücke von Zlatko Dedic notgedrungen auf ein 4-5-1 umstellte, gab es auf einmal wieder einen Platz im offensiven Mittelfeld, jedoch keinen Spezialisten für diese Position. Idir Ouali, Filip Trojan, Robert Koch oder auch Anthony Losilla probierten sich auf dieser Position mit sehr mäßigem Erfolg. Nach vier Spieltagen hatte es sich bei unseren Gegner auch herumgesprochen, dass unser Spiel sehr auf „Lang auf Mickael“ ausgerichtet hatte. Wo die Saison davor Zlatko Dedic die Bälle annahm, rieb sich Poté an meist drei Gegenspielern auf. Den 4 Toren in den ersten 4 Spielen folgten bis heute noch 2 weitere…

Eine weitere Baustelle schuf sich Ralf Loose im defensiven Mittelfeld selbst. Was genau zwischen Cristian Fiel und dem Trainer vorgefallen ist, wissen wohl nur die beiden genau. Der Rückgabe der Binde folgte eine Mißachtung des Spielers. Nach dessen notwendiger Rückkehr mit 2 Torvorlagen gegen Aue war er zwar wieder im Team, Freunde wurden sie jedoch nicht mehr.

Insgesamt wirkte es, als ob Ralf Loose zunehmend seinen Spielfaden verlor. Wo in der Saison 2011/12 in der Mittelfeldzentrale fast immer mit Cristian Fiel, David Solga oder Giannis Papdopoulos besetzt wurde, so durften in dieser Runde außerdem noch Anthony Losilla, Florian Jungwirth, zuletzt auch noch Marcel Franke sich auf dieser Position versuchen. Die praktizierte Rotation passte nicht zu dem Ralf Loose, der Dresden lange Zeit verzauberte! Nach der Niederlage in Cottbus wurde es dann schwierig!

Im Spiel gegen den FSV Frankfurt gelang es ihm, noch einmal die Beurlaubung hinauszuschieben. Mit den danach folgenden 3 Unentschieden schaffte er eine letzte Bestmarke, die des schwarzgelben Trainers mit den meisten Zweitligaspielen. Wie ein angeschlagener Boxer kam er auf 51 Partien (Christoph Franke 50). Mit der Niederlage gegen Bochum kippte dann endgültig das Pendel. Aus 4 Spielen ohne Niederlage waren nach 90 Minuten 4 Spiele ohne Sieg geworden!

Fazit

Das Meckern erfolgt natürlich auf hohem Niveau. Mit Ralf Loose und seinem Talent, eine Mannschaft schnell aufzubauen, sind wir in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Er war ein Puzzleteil, welches den Aufstieg mit ermöglicht hat. Lange Zeit gab ihm der Erfolg recht und seine ruhige und sachliche Art strahlten eine Souveränität aus, die ihm bei den ausbleibenden Ergebnissen nach und nach verloren gingen. Auf einmal wirkten das ewige Schützen der Mannschaft wie Phrasendrescherei. Vielleicht hat er mit seinem anfangs raschen Erfolg letztendlich für seine eigene Demission gesorgt. Er hat bewiesen, dass Trainerwechsel einen ganzen Verein voranbringen können!

Danke Ralf Loose! Für den nicht mehr geglaubten Aufstieg, für den historischen Sieg gegen Leverkusen, für die vielen Tore 2011/12!

Ein Gedanke zu „Ralf Loose – ein Rückblick

  1. Mone

    Danke. Ich finde es schade. Noch bevor Loose anfing, wurde er schon als der Looser-Lose tituliert, nur weil er bis dato kaum bekannt war. Trotzdem haben wir ihm viel zu verdanken. Und genau so wie er empfangen wurde, wird er jetzt vom Feld gejagt. Wieder als der Loser Loose. Schade.

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