Was zum Freitagabend zu sagen ist…

Ich habe am Wochenende (im Nachhinein glücklicherweise) arbeiten zu müssen und nur wenig Zeit gehabt, die Geschehnisse rund um das Spiel in Kaiserslautern verfolgen zu können. Manchmal kann die eigene Erwerbstätigkeit während eines Spieltages ein Segen sein.

Am Wochenende ist die Schlinge um meinen schwarzgelben Verein mal wieder etwas fester gezogen worden. Der eigenen Niederlage folgten Siege der beiden Vereine, die bisher hinter uns lagen, wodurch erstmals in dieser Saison aus dem Relegationsplatz ein direkter Platz in die 3.Liga entstanden ist. Nach dem ersten Schock darüber muss man den beiden Aufsteigern Regensburg und Sandhausen fast dankbar sein, da sie mit ihren Siegen die Gegner vom Wochenende, den VFL Bochum und den FC St. Pauli, in der gefährdeten Zone beließen. Der Druck für Dynamo, im kommenden Spiel gegen Sandhausen gewinnen zu müssen, ist jedenfalls nicht geringer geworden!

Was uns aber noch mehr die Luft zum Atmen nimmt, sind die Vorfälle rund um das Spiel im Fritz-Walter-Stadion. Erst eine Feuershow, dann eine Gewaltorgie, danach Entsetzen, gefolgt von der dankbaren Aufnahme dieses „Evergreens“ in allen verfügbaren Medien und sozialen Netzen.

Manchmal bin ich es leid, ein Anhänger meines Vereins zu sein. Jedem positiven Erlebnis folgt ziemlich rasch ein Konter (Leverkusen – Dortmund), manchmal fallen beide Ereignisse auch auf ein einziges Spiel (Osnabrück). Danach gibt es immer wieder ein Bangen, was diesmal die Folgen für den Verein sein werden. Hohe Geldstrafen, Geisterspiele, Pokalausschlüsse, personalisierte Tickets. Die Liste ist lang und unvollständig und vor allem, sie bezieht sich nur auf die letzten 18 Monate.

Diese letzten Monate im eigentlich sportlichen Aufblühen haben mich ziemlich ausgelaugt. In jungen Jahren, in etwa nach dem Lizenzentzug 1995, als sich mein Verein in immer wiederkehrenden Insolvenzsorgen befand, hatte ich kurzzeitig für mich beschlossen, mich nur um das Spiel der 1. Mannschaft zum kümmern und alles andere ringsherum auszuklammern. Das dies nicht möglich ist, bekam ich rasch mit. Es wirkt sich alles aufeinander aus. Doch gerade die Anhänger waren es immer wieder, die meinen Verein leben ließen. Wenn nix mehr ging, gab es die Fans. Die Aktion Brustsponsor oder auch die Geisterspielticketverkäufe zeigten überregional das gewaltige Potential seiner Anhänger.

Ende des letzten Jahres las ich unter www.turus.net einen Artikel über den Dresdner Pokalausschluss.

Auf das drastische Urteil gibt es nun drei Reaktionen: Die einen meinen, solch eine drakonische Strafe sei für die SG Dynamo Dresden längst überfällig. Die anderen meinen, ein Verein bzw. die Mannschaft soll nicht auf sportlichem Wege dafür büßen, was ihre Anhänger auswärts auf den Rängen verzapfen. Die dritte, nicht zu verachtende Gruppe winkt eher müde ab. All die Diskussionen während der letzten Monate machten mürbe. Der ganz große Aufschrei blieb im Gegensatz zum letzten Mal aus. Endlose Debatten um Stadionsicherheit, Pyrotechnik und gezielte Medienpropaganda und all die Proteste gegen das DFL-Sicherheitspapier erzeugten bei vielen Fußballfreunden mittlerweile eine gewisse Abgeschlafftheit, Resignation und Lethargie. 

http://www.turus.net/sport/7075-irrsinnig-oder-ueberfaellig-dynamo-dresden-vom-dfb-pokal-ausgeschlossen.html

Genau hier befinde ich mich gerade. Müde und mürbe von den Geschehnissen der „erlebnisorientierten“ Seite, die den Verein immer wieder zurückwirft. Die Reaktionen vom Verband werden folgen und drastisch sein, die Ermittlungen wurden (erwartbar) bereits aufgenommen.

Ich kann mit personalisierten Tickets leben, mit Auswärtskarten, die nur an Vereinsmitglieder verkauft werden oder Brisanzspielen, bei denen die Vereinsverantwortlichen gleich im Vornherein auf das Kartenkontingent verzichten, weil die Folgen verheerender sein könnten, als die dadurch fehlende Unterstützung der eigenen Mannschaft.

Vor allem hoffe ich, dass so langsam mal bei den Fans ein Umdenken bezüglich des Strafenkataloges stattfindet. Dieses ständige Gejammer, zu hart bestraft zu werden, die Vergleiche, wie viel Eintracht Frankfurt, Hannover 96 oder auch Borussia Dortmund für welches Vergehen berappen musste, sind doch völlig nebensächlich, wenn man sich an die eigene Nase greift, die jedes Jahr mehrfach bei den Verbandsoberen in Frankfurt antanzen muss.

Außerdem ist diese Pyrotechnik-Gewalt-Vergleichtsdebatte doch ebensolcher Schwachsinn. Sowohl das eine als auch das andere schadet dem Verein und beides kann ich als Fan nicht wollen!

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